Innerpolitische Geschichte
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Senats, und gefolgt von patrizischen Rittern, die entblößte Schwer-ter trugen, vom Kapitol aufs Forum herab: bei diesem Anblicksank das Volk in die stumpfe Gewohnheit des Gehorsams zurück.Des Maelius’ Vermögen wurde eingezogen, sein Haus niederge-rissen; die Stätte, wo es gestanden hatte, blieb öde.
Im Jahre 384 wurde umgekehrt der Patrizier M. ManliusCapitolinus, welcher mit seinem Vermögen plebejische Schuldneraus der Schuldknechtschaft befreit hatte, als Hochverräter ver-urteilt und (nach der überwiegenden Geschichtsüberlieferung) vomtarpejischen Felsen gestürzt.
Livius (VI 14 ff.) erzählt über den Fall des Manlius: Dasgrausame Schuldrecht der zwölf Tafeln lastete schwer auf derzahlungsunfähigen Plebs. Scharenweise wurden täglich verur-teilte Schuldner vom Forum weggeführt, und es gab bald keinPatrizierhaus mehr, in welchem sich nicht ein Schuldkerker be-funden hätte. Die Folge dieser Schuldennot war, daß die Plebsauch politisch wieder in vollständige Abhängigkeit von den Pa-triziern geriet.
Ein einziger Mann unter den Patriziern war es, dem dasgrenzenlose Elend des Volkes zu Herzen ging: M. Manlius.
Eines Tages sah Manlius auf dem Forum ein empörendesSchauspiel. Ein tapferer Hauptmann, der sich im Felde Ruhmerworben, wurde als verurteilter Schuldner von seinem Gläubigerin den Kerker abgeführt. Alsbald trat Manlius hinzu, bezahltedem Gläubiger sein Guthaben und gab den losgekauften Schuld-knec.ht frei. Freudig schwur der Freigewordene, er werde dieseErlösung aus des Kersers Nacht und Elend seinem Retter nievergessen: er weihe ihm Blut und Leben zum Eigentum. Darauferzählte er den Umstehenden sein Geschick. Durch ununterbro-chenen Kriegsdienst, der ihn an seinem wirtschaftlichen Betriebgehindert habe, durch den Aufbau seines zerstörten Hauses seier in Schulden geraten, und da er wegen der unerschwinglichenZinse das Kapital selbst nicht habe heimzahlen können, so sei erendlich, nachdem er dasselbe mittelst der entrichteten Zinse schon
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