Sulla
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Wahrend des Carbo Anwesenheit in Rom wurde in derNacht des 6. Juli 83 der capitolinische Tempel des Jupiter , dasunter den letzten Königen erbaute Nationalheiligtum der Römer ,durch eine Feuersbrunst zerstört, deren Ursache unbekannt ist,ein Ereignis, das für ein Vorzeichen des nahenden Untergangesdes Staates gedeutet wurde und in Verbindung mit dem Heran-nahen Sullas auf die römische Einwohnerschaft einen panischenEindruck machte, zumal auch die in steinerner Lade in demKeller geborgenen sibyllinischen Bücher von dem Brand betrof-fen wurden (Jordan, Topografie der Stadt Rom , Bd. I Abt 2S. 20).
Inzwischen waren dem Sulla zahlreiche Anhänger erwach-sen, von denen der wichtigste der junge Gnaeus Pompe jus war(später Gnaeus Pompejus Magnus , 106—48), welcher, noch nicht23jährig, in Picenum, wo er großen Grundbesitz hatte, und überBeliebtheit und Einfluß verfügte, ein Freikorps warb, welchesbald auf 3 Legionen wuchs.
Sulla besiegte das Heer des Konsuls Marius , welches 40,000Mann stark war, bei Praeneste vernichtend. Marius floh undgab dem in Rom befehligenden Praetor Damasippus den Befehl,die Stadt zu räumen, vorher aber alle bisher noch verschontenangesehenen Männer der Gegenpartei niederzumachen. Dama-sippus berief unter einem Vorwand den Senat, und die bezeich-neten Männer wurden teils in der Sitzung selbst, teils auf derFlucht vor dem Rathaus niedergestochen. Andere Opfer wurdeneinzeln umgebracht. „Mit stummen Entsetzen sah die Mengedie letzten Opfer des Terrorismus durch die Straßen schleifenund in den Fluß werfen“, schließt Th. Mommsen seine Darstel-lung dieser Ereignisse.
Sulla marschierte über das ihm nun offene Rom , wo er kurzverweilte, nach Etrurien . Als er dort erfuhr, daß die gesammel-ten Truppen der noch immer erbittert gegen Rom kämpfendenReste der Samniter, Lukaner, Kampaner auf Rom rückten,eilte er mit seinen Truppen nach Rom . Dort lieferte er am Col-linischen Tor den Eindringlingen eine Schlacht, in welcher diesenicht nur besiegt, sondern ihre Truppen fast völlig vernichtet