Die genauere Betrachtung führt zu einer anderen Anschau-ung. Sie lehrt, daß für die Stadt Rom die Epoche, welche durchdie Namen Pompejus und Caesar gestempelt ward, einen groß-artigen Umschwung und eine völlig veränderte Einstellung zurStaatspolitik und zur Weltentwicklung bedeutet.
Durch die Herausstellung folgender Gesichtspunkte sei ver-sucht, die Orientierung in den verwickelten Ereignissen derEpoche 79—44 v. Chr. zu erleichtern.
1. Sowohl die verfassungsmäßigen Organe des Staates (Se-nat und Bürgerschaft, Censoren, Konsuln, Volkstribune) als diesozialen und politischen Parteien der Bürger haben ihre alte Be-deutung verloren, und sind zu Werkzeugen einzelner Persönlich-keiten geworden, welche mit politischer Willkür je nachdem sichihrer bedienten oder sie beseite stießen.
2. Die Bedeutung jener Faktoren auch als Mittel der per-sönlichen Politik tritt weit zurück hinter der Bedeutung desHeeres (oder der Heere) der Führer.
3. Die Führer kämpften nicht um Einfluß innerhalb desStaates, sondern um monarchische Staatsherrschaft.
4. Militärische Erfolge sowohl gegenüber politischen Geg-nern innerhalb des Staates als gegenüber ausländischen Feindenund Eroberungsgebieten sind Bedingung für die Beteiligung andem Kampf um die höchste Staatsgewalt. Art und Maß dieserErfolge sind entscheidend für den Endsieg.
5. Die Herstellung von großartigen öffentlichen Bauten(Tempeln, Basiliken, Theatern, Bibliotheken) und Einrichtungen(Markt- und Versammlungsplätzen, Wasserleitungen, Straßenzü-gen) sowie Ehrendenkmälern ist als Mittel zur Erwerbung undErhaltung der Volksgunst von typischer Bedeutung. Die Her-stellung dieser Anlagen steigert als Ausdruck persönlichen Reich-tums und königlicher Freigebigkeit das Ansehen und den Einflußder Stifter. In wechselseitiger Wirkung mit der Vermehrung undInternationalisierung der Einwohnerschaft Roms erhebt dieseäußere Entwicklung des Stadtglanzes Rom bereits jetzt zumcaput mundi.