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6. Wenn man die äußere Geschichte dieses Zeitabschnittesin einheitlicher Anschauung zusammenzufassen unternimmt soerscheint Rom als Mittelpunkt des um diesen Mittelpunktin gewaltigem Ausmaß rotierenden Weltkreises (orbis terrarum).Dieses Bild kann zugleich als der Ausdruck eines organischen,kosmogenetischen, Prozesses betrachtet werden, welcher mitzentripetaler Gewalt die Wirkungen der in der Peripherie aus-gelösten Kräfte zum Zentrum hintreibt. Ohne Bild gesprochenheißt dies, daß die starke Beeinflussung, welche schon Marius,dann weit erheblicher Sulla und in höchster Steigerung Pompe-jus und Caesar nebst den sie begleitenden Römerscharen, von derorientalischen und von der griechischen Kulturwelt erfuhren, sichnaturgemäß in starkem Maße in der Stadt Rom auswirkten.
Gnaeus Pompe jus Magnus, (genannt Pompejus ) ent-stammte dem sehr angesehenen plebejischen Geschlecht derPompeii . Den erblichen Beinamen Magnus empfing er im Jahre79. Er war am 30. September 106 als Sohn des Cn. PompejusStrabo (genannt Strabo) geboren. Strabo war Praetor in Sici-lien, sodann 89 Konsul, hatte im Marsischen Kriege gekämpft,war im Jahre 87 zur Beschiitzung der Stadt Rom gegen Mariusund Cinna gerufen worden, und hatte eine entscheidende Schlachtvor den Toren der Stadt geliefert, nach welcher er starb.
Pompejus der Sohn tat seinen ersten Kriegsdienst i7jährigunter dem Befehl des Vaters, zusammen mit dem gleichaltrigenCicero. Im Jahre 83 eilt er nach Sullas Landung in Italien diesemsofort zu Hilfe und eroberte Praeneste. Später ließ er sich vonSulla der ihn sich als Tochtermann erwählt hatte, im Jahre 80nach Afrika schicken, wo er nach 40-tägigem Kampf bei Utica den Ahenobarbus besiegte. Auf dem Schlachtfeld als Impera-tor begrüßt, feierte er 81 in Rom einen ihm von Sulla bewillig-ten Triumph, nachdem der Senat ihm befohlen hatte, seine Sol-datep zu entlassen, und Pompejus dies geweigert hatte. Sulla bewilligte ihm den Triumph und begrüßte (12. März 79) ihn da-bei als „Magnus“, während er selbst sich „Felix“ nannte. Im