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Wichtiger aber als alles (lies war die Haltung und das Auf-treten, womit Caesar fortan so bestimmt und so förmlich wiemöglich seine Alleingewalt zur Erscheinung und zur Anerken-nung zu bringen vermochte.
Caesar erschien öffentlich statt in dem mit Purpurstreifenverbrämten Gewände der Konsuln in dem ganzpurpurnen, dasim Altertum als das Königskleid galt, und empfing, auf seinemGoldsessel sitzend, ohne sich von demselben zu erheben, den fei-erlichen Zug des Senats. Wenn Caesar nach der Hauptstadtkam, zogen die vornehmsten seiner Diener scharenweise auf weiteStrecken ihm entgegen, ihn einzuholen. Durch die Menge derzur Audienz sich drängenden Personen war die persönliche Ver-handlung mit ihm so erschwert, daß Caesar sogar mit seinen Ver-trauten vielfach schriftlich zu verkehren sich genötigt sah, unddaß auch die Vornehmsten stundenlang im Vorzimmer zu wal-ten hatten.
Auf derselben Linie lag die Schaffung eines neuen Adelsdurch Caesar, worüber Th. Mommsen sagt: „Noch immer be-stand die Patrizierschaft, wenngleich ohne wesentliche ständi-sche Vorrechte, doch als geschlossene Junkergilde fort; aber dasie keine neuen Geschlechter aufnehmen konnte, war sie im Laufeder Jahrhunderte mehr und mehr zusammengestorben: nicht mehrals fünfzehn bis sechszehn Patriziergeschlechter waren zu Cae-sars Zeit noch vorhanden. Indem Caesar , selber einem dersel-ben entsprossen, das Recht, neue patrizische Geschlechter zu crei-ren durch Volksbeschluß dem Imperator erteilen ließ, gründeteer im Gegensatz zu der republikanischen Nobilität den neuenAdel des Patriziats, der alle Erfordernisse eines monarchischenAdels: altersgrauen Zauber, vollständige Abhängigkeit von derRegierung und gänzliche Bedeutungslosigkeit auf das glücklich-ste vereinigte. Nach allen Seiten hin offenbarte sich das neueHerrentum.“
XI.
Der staatsrechtliche Ausdruck für die Alleinherrschaft Cae-sars war die Diktatur. Diese erhielt er 49 „auf unbestimmteZeit“, dann als Jahresamt, endlich (48) mit der Bezeichnung „die-
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