214
II.
Die in den vorstehenden Bemerkungen enthaltenen Gesichts-punkte leiten auf die jedem Betrachter der römischen Geschichte,sich in irgend einer Weise aufdrängenden Frage: Wie hat Caesar sich sein Ziel gedacht, und wie hat er sich insbesondere die ver-fassungsrechtliche Gestaltung der Monarchie gedacht?
Caesar hat niemals ein politisches Programm aufgestellt.Er hat weder ein Buch über den Staat geschrieben noch überrömische Geschichte. Er hat nur römische Geschichte gemachtund den römischen Staat geleitet.
Was Caesar gewollt hat, ersehen wir aus dem, was er getanhat und aus dem, was er nicht getan hat.
Wenn irgend etwas allgemeines über Caesars Wirken gesagtwerden kann, so ist es dies, daß jedes Handeln bei ihm durch denWillen, sein Wille durch Klugheit bestimmt, seine Klugheit aberin den Dienst des höchsten staatsmännischen Zieles gestellt war,dessen Erreichung er für erstrebenswert und zugleich für mög-lich hielt.
Dieses Ziel war (Th. Mommsen röm. Geschichte Bd. III.S. 464) „die politische, militärische, geistige und sittliche Wie-dergeburt der tiefgesunkenen eigenen und der noch tiefer gesun-kenen mit der seinigen verschwisterten hellenischen Nation.“
Caesars Wirken war in seiner Richtung durch jene Ideebestimmt. Wie weit er in dieser Richtung konkret mit seinemWirken zu reichen vermöge, hat er immer in praktischer Realitätund Relativität erwogen.
Vielleicht ist er, sagt Mommsen , der einzige der Gewalt-tigen, der den staatsmännischen Takt für das Mögliche und Un-mögliche bis an das Ende seiner Laufbahn sich bewahrt hat undnicht gescheitert ist an derjenigen Aufgabe, die für großartigangelegte Naturen von allen die schwerste ist, an der Aufgabeauf der Zinne des Erfolges dessen natürliche Schranken zu erken-nen. Was möglich war, hat er geleistet und nie um des unmögli-chen Besseren willen das mögliche Gute unterlassen, nie es ver-schmäht, unheilbare Übel durch Palliative zu lindern.- Wo er