Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
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Caesars Werk. Sein Tod

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erkannte, daß das Schicksal gesprochen, hat er immer gehorcht.Caesar ist an der Themse und am Rhein freiwillig zurückgegan-gen und gedachte auch an der Donau und am Euphrat nicht un-gemessene Pläne der Weltüberwindung, sondern bloß wohler-wogene Grenzregulierungen ins Werk zu setzen. Caesar wardurchaus Realist und Verstandesmensch; und was er angiifiund tat, war von der genialen Nüchternheit durchdrungen undgetragen, die seine innerste Eigentümlichkeit bezeichnet. Ihrverdankte er das Vermögen, unbeirrt durch Erinnern und Erwar-ten energisch im Augenblick zu leben, ihr die Fähigkeit, in jedemAugenblick mit gesammelter Kraft zu handeln und auch demkleinsten und beiläufigsten Beginnen seine volle Genialität zuzu-wenden, ihr die Vielseitigkeit, mit der er erfaßte und beherrschte,was der Verstand begreifen und der Wille zwingen kann. Ausdieser Verstandesklarheit rührt es aber auch her, daß Caesar sichüber die Macht des Schicksals und das Können des Menschenniemals Illusionen machte; für ihn war der holde Schleier geho-ben, der dem Menschen die Unzulänglichkeit seines Wirkens ver-deckt. Wie klug er auch plante und alle Möglichkeiten bedachte,das Gefühl wich doch nie aus seiner Brust, daß in allen Dingendas Glück, das heißt der Zufall, das Beste tun müsse; unddamit mag es denn auch Zusammenhängen, daß er so oft demSchicksal Paroli geboten, und namentlich mit verwegener Gleich-gültigkeit seine Person wieder und wieder aufs Spiel gesetzt hat.Die bemerkenswerteste Eigentümlichkeit seines staatsmännischenSchaffens ist dessen vollkommene Harmonie. In der Tat warenalle Bedingungen zu dieser schwersten aller menschlichen Lei-stungen in Caesar vereinigt. Durch und durch Realist ließ erdie Bilder der Vergangenheit und die ehrwürdige Tradition nir-gends sich anfechten: ihm galt nichts in der Politik als die le-bendige Gegenwart und das verständige Gesetz. Ein geborenerHerrscher, regierte er die Gemüter der Menschen, wie der Winddie Wolken zwingt, und nötigte die verschiedenartigsten Natu-ren, ihm sich zu eigen zu geben, den schlichten Bürger und denderben Unteroffizier, die vornehmen Damen Roms und die schö-nen Fürstinnen Ägyptens und Mauretaniens , den glänzenden