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Cavaleriegeneral und den kalkulierenden Bankier. Sein Organi-sationstalent ist wunderbar; nie hat ein Staatsmann seine Bünd-nisse, nie ein Feldherr seine Armee aus ungefügen und widerstre-benden Elementen so entschieden zusammengezwungen und sofest zusammengehalten wie Caesar seine Koalitionen und seineLegionen; nie ein Regent mit so scharfem Blick seine Werk-zeuge beurteilt und ein jedes an den ihm angemessenen Platz ge-stellt. Menschlich wie geschichtlich steht Caesar in dem Glei-chungspunkt, in welchem die großen Gegensätze des Daseins sichineinander auf heben. Von gewaltiger Schöpferkraft und dochzugleich vom durchdringendstem Verstände; nicht mehr Jünglingund noch nicht Greis; vom höchsten Wollen und vom höchstenVollbringen; erfüllt von republikanischen Idealen und zugleichgeboren zum König; ein Römer im tiefsten Kern seines Wesensund wieder berufen, die römische und die hellenische Bewegungin sich wie nach außen hin zu versöhnen und zu vermählen istCaesar der ganze und vollständige Mann. (Mommsen röm. Ge-schichte Bd. 2, S. 462—468).
Caesar hat keine Verfassungsurkunde für den römischenStaat geschaffen. Er hat sie auch nicht schaffen wollen. Wennman sagt, er habe es infolge des Drängens anderer Aufgabennicht gekonnt, so ist dies im wörtlichen Sinn einfach absurd.Caesar, der Meister der Politik und der Sprache hätte eine glän-zende lapidare Verfassungsurkunde in wenigen Stunden entwer-fen können, wie er den schwierigeren Plan eines BürgerlichenGesetzbuches für das römische Reich in kurzer Zeit entwor-fen hat. Wenn man aber meint, daß Caesar eine Verfassungs-kodifikation politisch nicht habe durchsetzen können, so darf demdie bestimmte Vermutung entgegengesetzt werden, daß nach derSchlacht von Fharsalus, 48, sowie nach der Schlacht bei Thap-sus, 46, eine mit Caesarischer Geschicklichkeit redigierte MagnaCharta hätte durchgesetzt werden können. Die wahrscheinlichdamit verbundene Lebensgefahr würde den Imperator nicht mehrgeschreckt haben, als diejenige, welcher er bei jedem seiner revo-