Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Entwicklung des Wohnungslebens 249

derColles Horticulorum an der Nord-Ost- und Ostseite derStadt. Diese Gebiete waren von der Bebauung mit Bürgerwoh-nungen ausgeschlossen.

Was die Zahl der Bewohner betrifft, so führt der kritischeVergleich zahlreicher Schätzungsversuche *) zu den folgendenDurchschnittsziffern: für das Jahr 195 v. Chr. 1 218000 Bewoh-ner, für das Jahr 90 v. Chr. 2315000 Bewohner, für das Jahr51 v. Chr. 2 010 000 Bewohner, für das Jahr 13 v. Chr. 1 241 000Bewohner.

Hiernach hätten, wie die Division der Ziffer 5 Millionendurch die betreffende Bevölkerungsziffer ergibt, im Jahre 195v. Chr. für jeden Bewohner nicht ganz 5 Quadratmeter Baulandzur Verfügung gestanden, im Jahre 90 v. Chr. etwa 2,5, im Jahre51 v. Chr. etwa 3, im Jahre 13 v. Chr. 4 qm.

Was dies praktisch bedeutete, wird man sich besser veran-schaulichen können, wenn man nicht Einzelmenschen und Ein-zelmeter, sondern größere Personenmehrheiten und größere Bo-denabschnitte nebeneinander stellt.

Lösen wir die Ziffer 1 218 000 der Rombewohner des Jahres195 v. Chr. und der 2 315 000 Rombewohner des Jahres 90v. Chr. in Gruppen von 200 Personen auf und errechnen wir,wieviel Bodenfläche, bei gleichmäßiger Verteilung, von der Ge-samtfläche (5 Millionen qm) einer jeden dieser Gruppen zurVerfügung gestanden hätte, so ergibt die Divisionsrechnung für195 v. Chr. ein Areal von 1000 qm, für 90 v. Chr. ein solchesvon etwa 500 qm für je 200 Menschen.

Wenn man berücksichtigt, daß annähernd die Hälfte allerBewohner Sklaven waren **) und daß die Mehrzahl der Sklavennicht eigentlichwohnte, sondern nur Schlafstellen hatte, sowird man finden, daß erstens die angeführten Bevölkerungszif-

*) Vgl. besonders die Publikation der italienischen RegierungMono-grafia della Cittä di Roma 1879, Bd. II S. 189 ff.Popolazione di Roma nellera antica, ferner FriedländerSittengeschichte Roms, V. Auflage 1881Bd. I. S. 51 ff.

**) Marquardt, Römische Staatsverwaltung Bd. II (2. Auf). 1884) S. 122:Daß die Zahl der Sklaven während der Republik wie während der Kaiser-zeit bedeutend größer war, als die der Freien ist unzweifelhaft.