250 Baugeschichte der Stadt Rom bis 14 n. Chr.
fern glaublich, und zweitens, daß sie für jedes der Stichjahreverträglich sind mit einem über die ganze Wohnungsfläche derStadt verteilten ausreichenden Bestand einstöckiger Wohnungs-bauten. Es sei bemerkt, daß wir Nachrichten über römischeMietskasernen haben mit einem Areal von je 800 qm.
IV.
Wollen wir an die Stelle des vorstehend entworfenen Sche-mas ein der lebendigen Wirklichkeit entsprechendes Bild derWohnungsverhältnisse setzen, so müssen wir zunächst die Stra-ßen noch genauer betrachten.
Zunächst die Hauptstraßen.
Die Hauptstraßen der Stadt (insbesondere Clivus Publicius,Vicus Longus, Vicus Patricius, Subura ), welche sehr alt warenund einen unverwüstlichen historischen Bestand bewahrt ha-ben, *) hatten zwei verschiedene Funktionen:
Erstens: die Herstellung der Verkehrsverbindung durch dieganze Stadt, von Tor zu Tor, von den Toren zum Markt, vonjedem Stadtviertel zu allen andern Stadtvierteln, und endlichnicht am wenigsten mit der Campagna und der weiteren Außen-welt.
Zweitens: die Anschließung eines jeden Hauses an den gan-zen Straßenverkehr.
Die erstere Funktion ist selbstverständlich und bedarf hierkeiner besonderen Erörterung.
Das Verhältnis der einzelnen Häuser zu den Hauptstraßenaber müssen wir genauer ins Auge fassen. Wir wissen, daßschon in alter Zeit die Hauptstraßen, soweit es das Terrain ge-stattete, zu beiden Seiten mit Häusern besetzt waren, und zwarmit Häusern, welche zugleich Wohn-, Arbeits- und Geschäfts-stätten, insbesondere für Handwerk und Gewerbebetrieb, fürEinkauf und Verkauf waren. Wir müssen uns also die Haupt-
*) H. Jordan, a. a. O. S. 512 schreibt: „Weder der gallische noch derneronianische Brand, weder die Neubauten der Kaiser noch der Zusammen-sturz des Reiches haben die Spuren der Hauptstraßen des Servianischen Romszu tilgen vermocht.“