Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Die Verfassung

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die Kompetenz des kaiserlichen Tribunen ausdehnten. SolcheSpezialklauseln gingen traditionell in die Kompetenzgesetze fürdie Nachfolger über. Sie stellen die Hauptform der Entwicklungder Principatverfassung dar. Diese Entwicklung im einzelnendarzulegen ist hier nicht der Ort. Bekannt ist uns ein Teil desTextes des Bestallungsgesetzes für Vespasian (69), in welchem esheißt, daß der neue Kaiser dieselben Kompetenzen habe, wie sieAugustus besessen hatte.

III.

Schon im Jahre 22 wollte man dem Augustus wieder dasKonsulat übertragen. Als dann Pest und Hungersnot Rom wieganz Italien heimsuchten, verlangte das Volk vom Senat die Er-nennung des Augustus zum Diktator, weil es von Augustus undnur von diesem Hilfe in der furchtbaren Not erhoffte. Es be-lagerte den Senat in dessen Versammlungsgebäude und zwangihn, die Ernennung vorzunehmen. Dann zog es vor das Hausdes Augustus und suchte ihn zu bewegen, die Diktatur zu über-nehmen. Augustus blieb aber bei der Ablehnung. Schließlichließ er sich nur dazu bewegen, die Oberaufsicht über das Getreide-wesen zu übernehmen (cura annonae). Noch im Jahre 22 trater eine Reise nach dem Süden an, die ihn bis zum Jahre 19 fernvon Rom hielt. Nachdem er den ersten Winter in Sizilien ver-weilt hatte, ging er nach Griechenland , dann nach Samos, wo erdie Winter von 21 auf 20 und von 20 auf 19 zubrachte. In Rom setzten sich währenddessen die Unruhen wegen der Konsulwahlenfort. Im Jahre 21 wählte man nur einen Konsul und verlangte,daß Augustus die andere Stelle annahm. Als Augustus die Wahlablehnte, wurden zwar zwei Bewerbungen aufgestellt. Aber nurein Bewerber, Q. Aemilius Lepidus wurde gewählt, worauf Au-gustus, um den Unruhen zu begegnen, den Agrippa zum Praefec-tus Urbi machte. Um dieselbe Zeit wurde des Augustus Toch-ter Julia die Gattin Agrippas . Als im Jahre 19 die Unruhen einenoch drohendere Gestalt annahmen, schickte der Senat zwei au-ßerordentliche Gesandte mit der Bitte um Abhilfe an Augustus.Dieser ernannte den einen der beiden Gesandten, Q. Lucretius,