Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Persönlichkeit und Regierungsweise des Augustus 277

trügerisch maskiert worden sei, so ist diese Betrachtungsweiseebenso unfruchtbar wie unzutreffend. Auch die andere Wen-dung ist undiskutierbar, Augustus habe den Senat, das Volk, dieWelt, im Jahre 27 mit der Vorspiegelung betrogen, er wolle dieRepublik herstellen, während er die Monarchie habe schaffenwollen. Dem gegenüber ist zu sagen, daß Augustus mit dersel-ben rücksichtslosen realpolitischen Sicherheit, mit welcher er anden Proskriptionen und den mit diesen verbundenen Erpressun-gen teilnahm, die republikanischen Staatseinrichtungen einenach der anderen opferte, wenn und weil er überzeugt war, daßdas Staatswohl die Beseitigung fordere. Seine geniale, mitäußerster Hingabe und Mäßigung verbundene Klugheit befähigteihn, diese Politik ganz unverhohlen zu verfolgen, indem er nichtdurch Überredung oder gar Täuschung, sondern durch sein Han-deln selbst den Beweis der Richtigkeit und Fruchtbarkeit seinerSchritte lieferte. Er wußte den Senat und das Volk so zu füh-ren, daß er niemals den Verlust ihres Vertrauens zu fürchtenbrauchte, vielmehr durch jede seiner monarchistischen Reformendieses Vertrauen nur befestigte.

Der finstere Zug um Brauen und Mund, welchen sein schö-ner Jünglingskopf im Vatikan zeigt, ist in den der späteren Le-benszeit angehörenden prächtigen Statuen des Vatikans und desBerliner Museums dem Ausdruck sieghaften Gleichmutes ge-wichen.

Das Leben des Augustus hat sich von dem 18. Lebensjahr an,wenn nicht noch von früher, bis an das Ende wie ein in unauf-haltsamem Fluß strömendes Drama derart einheitlich abgespielt,daß der Kaiser, als sein Dasein zu Ende ging, seine Umgebungauffordern konnte (zweifellos nicht ironisch und nicht scherz-haft), zu bestätigen, daß er das Stück gut durchgeführt habe(transegisse Sueton , Oct. 99).

Um Augustus den Staatsmann wie Augustus den Menschenzu verstehen, muß man festhalten, daß er ganz Römer, ganz Ver-standesmensch, ganz Politiker war, daß er immer Herr seinerselbst, und deswegen Beherrscher jedweder Situation war, und