Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Augustus

daß dies ihm jederzeit bewußt und jederzeit Gegenstand schar-fer Selbstbeobachtung war.

Mit den Menschen und mit ihren Angelegenheiten spielteer. Er spielte mit der Welt selbst, mit ihren Gefahren, Kata-strophen, Göttern und Wundern. So war er, als er nach Cae-sars Tode, entgegen dem Rat seiner Freunde, mit Lebensgefahrüber die Adria und nach Rom eilte; so war er, als er sich beiMutina in das Kampfgewühl stürzte; so war er, als er im Theaterzu Rom als Kaiser die infolge plötzlicher Einsturzgefahr dro-hende Panik des Publikums bannte, indem er sich gelassen unddemonstrativ an dem gefährdetsten Platz niederließ.

Weil Octavianus niemals sich selbst aufgab, aber auch nie-mals Unmögliches wollte, vertrauten die Menschen ihm aber-gläubisch. Daß er trotzdem niemals übermütig wurde, steigertewiederum die suggestive Kraft seines Sicherheitsgefühls.

V,

Bei dem Bemühen, ein plausibles Bild der Staats- und Kul-turtätigkeit des Augustus zu gewinnen, darf nicht darauf ver-zichtet werden, den Gesichtspunkt der Volksgunst in der Lebens-führung und der Regierung des Kaisers zu verfolgen.

Von dem ersten politischen Auftreten des Augustus an, alser i8jährig nach Rom kam, bis zu seinem Lebensende mit 75Jahren, hat er die Gunst des römischen Volkes stets besessen,und zwar Jahrzehnte hindurch in nicht zu überbietendem Maße.Er selbst hat die Volksgunst immer als erste und mächtigsteBedingung für seine Erfolge angesehen. Sein Glück beruhtehäufig nur darauf, daß er die von ihm aufmerksam studiertenFehler seiner Vorgänger, seiner Nebenbuhler, seiner Opponen-ten vermied.

Gegen Schluß seines Lebens hatte er die Genugtuung, daßdie Volksgunst sich zu allgemeiner Zuneigung, ja Liebe für ihnsteigerte.

Parallel zur Volksgunst hat Augustus die' persönliche An-hänglichkeit des Heeres behandelt und genossen.