Wie bei allen wirklich großen Staatsmännern, Volksführernund Feldherrn war auch bei Augustus entscheidend, was manim besonderen Sinn die Persönlichkeit nennt. Seine aus glück-licher Anlage und frühe erweckter Selbst- und Menschenbeobach-tung erwachsene Eigenart gab seiner Persönlichkeit unwider-stehliche Anziehungskraft. In seiner Erscheinung und in seüierHaltung zeigte Augustus keine Spur von Krampfhaftigkeit,Zerstreutheit, Erregung. Er schien ganz Ruhe und Pleiterkeit.Durch den wohlwollenden Ausdruck der scharfen, hellblauenAugen erweckte er jene Wirkung des Zutrauens auf den erstenBlick, welche, wie von Zeitgenossen ausdrücklich berichtet wird,etwas Entwaffnendes hatte. Seine sanfte und wohlklingendeStimme pflegte er sein Leben lang sorgfältig, ebenso wie denStil seiner Sprache, für welchen er sich der Einfachheit, Natür-lichkeit, der Deutlichkeit und der Würde befleißigte. Er be-diente sich der Sprache bewußtermaßen nur um verstanden zuwerden und um zu überzeugen, nie um zu überreden. Obgleichder freien Rede mächtig brachte er jede öffentliche Äußerungzuvor zur Niederschrift, und was er dann sagte, klang, als könnees gar nicht anders gesagt werden.
Neben diesem, wie man wohl sagen kann, Zauber seinerPersönlichkeit war es unzweifelhaft noch etwas Inneres, nämlichdie Wahrhaftigkeit seiner Hingabe an das öffentliche Wohl, wasdem Augustus die Volksgunst verschaffte und erhielt und wo-von sein ganzes Leben Zeugnis ablegt.
Dazu stimmte die dauernde Ernsthaftigkeit seiner Bemü-hungen um die Befriedigung der Bedürfnisse des Volkes, welchesich zwangsläufig auch auf erhebliche Wünsche erstreckten, dieüber das Lebensnotwendige weit hinausgingen. Auf diese letztereSeite der Haltung des Augustus, welche in dessen Leben undin dem Leben der Stadt Rom eine große Rolle gespielt hat, isthier mit einigen Bemerkungen sachlich einzugehen.
Augustus wußte, daß man, um auf die Dauer für freigebigzu gelten, wirklich freigebig sein muß. Er erfuhr bald, daß,nachdem der Herrscher einmal sich auf den Weg des Dienens anden Wünschen der Menge mit Spielen, Getreide- und Geldspen-