Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Sechstes Buch

Panem et Circenses .

i.

ie berühmten Worte, mit denen der Dichter Juvenal (D. Junius Juvenalis , 60140 n. Chr.) die Wün-sche des Volkes zusammenfaßt,*) welches wie ersagt,die höchste Gewalt, Fasces, Legionen, kurzalles an den Kaiser vergeben habe, und nunmehr dagegen nurnoch zwei Dinge begehre:Panem et Circenses , **) sind andie Spitze des gegenwärtigen Kapitels unserer Darstellung ge-setzt, um eine der befremdlichsten und zugleich wichtigsten Er-scheinungen der römischen Stadtgeschichte zu bezeichnen, diegekannt werden muß, wenn man den Augustus verstehen und dieganze Geschichte des kaiserlichen Roms begreifen will. Wört-lich bezeichnet das Schlagwort nur die Brotspenden und dieCirkusspiele ; welche der Kaiser dem Volke widmet. In der

*) Juvenalis, Satira X 7881:

. . . populus . . . qui dabat olimImperium, fasces, legiones, omnia, nunc seContinet atque duas tantum res anxius optat,

Panem et circenses.'

**) Der Rhetor Marcus Cornelius Fronto (gestorben 170 n. Chr.) legtdem Kaiser Trajan (98117) die Worte in den Mund:populum Romanumduabus praecipue rebus annona et spectaculis teneri" (Fronto Princ. hist.5, 11). Ähnliche Wendungen kommen auch sonst vor. In einem gegen200 n. Chr. verfaßten Aufsatz, welcher in der Form eines von Sallust anCaesar gerichteten Schreibens verfaßt ist (zitiert alsSallust. Ep. ad Caes. sen.de rep. 17, 2) wird dem Regenten empfohlen, das Volk mit Staatskorn undanderen Gaben zu bestechen, auf daß es sich geduldig regieren lasse undnicht den Wohlstand des Gemeinwesens durch Unruhen störe. Der Sinn desJuvenalischen panem et circenses wird dadurch verdeutlicht. Die seit denGracchen aufgekommenen Brot- (Getreide-) Spenden an die Bürger sowieähnliche Liebesgaben, wozu auch die besonders seit Caesar und Augustusin Schwang gekommenen Öl- uud Geldspenden an die Bürger gehören, wer-