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Sache umfaßt das geflügelte Wort auch andere Zuwendungen,wie insbesondere Fleischverteilungen und Geldspenden. AlsSpiele, „ludi“ gelten alle Veranstaltungen in den Cirkussen,Amphitheatern, Theatern, Stadien, die Naumachien, in einemerweiterten Sinn außerdem sogar die Thermen und die Bäder,die Triumphzüge, die öffentlichen Hallen (Basiliken, Portikus)und Märkte (Fora), Wasserleitungen, Springbrunnen, Teiche,öffentliche Gärten.
Der Grundzug dieser Erscheinungen ist fast so alt wie dieSiebenhügelstadt selbst. Die Könige haben sich befleißigt, dieim permanenten Fleeresdienst stehenden Bürger durch Kriegs-beute und Geschenke, durch öffentliche Feste und durch Bauten,sowie durch militärischen und priesterlichen Pomp zu entschädi-
den unter dem machiavellistischen Gesichtspunkt der Betäubung politischerOpposition zusammengefaßt, mit der Maßgabe, daß dies in der echt satiri-schen Wendung eines fingierten politischen Schachers geschieht. Wenn dassprichwörtlich gewordene Motto Juvenals an die Spitze des gegenwärtigenAbschnittes unserer Darstellung gesetzt wird, so geschieht dies nicht in derVerfolgung des Juvenalischen Gedankens. Denn der Gedanke kann nichternst genommen werden, weil Getreidespenden, Geldspenden und Spiele ge-schichtlich aus ganz verschiedenen Wurzeln hervorgewachsen sind und dem-gemäß auch eine ganz verschiedene geschichtliche Entwicklung genommenhaben, übrigens auch kulturkritisch ganz verschieden zu würdigen sind. Un-sere Überschrift ist gerade darum gewählt, um an der Schwelle der Erörte-rung der Spiete, als eines der gewaltigsten nationalrömischen Kulturphäno-mene, die sachlich gebotene Ausscheidung der Getreidespenden („largitiofrumentaria“) und anderen „Largitionen“, insbesondere Öl- und Geldspendenhier in aller Schärfe vorzunehmen. Wir können dies umso unbedenklichertun als jene Vorgänge an verschiedenen anderen Stellen unseres Buchesberührt werden. — Für die Frumentationen sei auf J. Marquardt , RömischeStaatsverwaltung II. Bd., 2. Aufl. 1884, S. 114 hingewiesen, für die übrigenLargitionen auf Pauly, Realenzyklopädie der klassischen Altertumswissen-schaft, Stichwort Largitio und Stichwort „Congiarium“, ferner Drumann,Geschichte Roms, Bd. III S. 615 ff. — Caesar schenkte dem Volk im Jahre46 für jeden Bürger 400 Sesterzen (100 Denare), 10 Pfund Öl, 10 ScheffelGetreide und ein großes Gastmahl. Augustus beschenkte das Volk sechsmalmit Geldgaben, jedes Mal mit einem Betrage von 250 bis 400 Sesterzen fürjeden Bürger. — Largitionen an die Soldaten hießen „donativa (donativum)“.Caesar schenkte nach seinem Triumph jedem Krieger 20 000 Sesterzen, Au-gustus im Jahre 29 jedem Krieger 10 000 Sesterzen, nachdem er seit 44 dieSoldaten wiederholt mit je 240, 400, 2000 Sesterzen beschenkt hatte.