Panem et Circenses
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gen und zu zerstreuen, um ihm das Gefallen am öffentlichen Lebenbeizubringen und zu erhalten, womit die Ergebenheit an dasKönigtum gesichert schien. Die republikanichen Jahrhundertesind durchsetzt und charakterisiert durch die Werbungen ehr-geiziger Politiker um die Gunst des Volkes mit den gleichen Mit-teln. Auch das Priestertum bediente sich der Götterfeste undder damit verbundenen Schauspiele zur Befestigung seiner eige-nen Herrschaft.
Das uralte, ursprünglich rein volksmäßige Fest der „gro-ßen“ oder „römischen Spiele“ (ludi romani) wurde nach jederder drei Revolutionen von 509, 494, 367 von der Regierung zeit-lich (auf viertägige Dauer anstatt eines Tages) und finanziellerweitert. Nach 367 wurde es den kurulischen Aedilen unterstellt,von diesen auf Staatskosten veranstaltet, bald aber zu solchenKosten gesteigert, daß die Aedilen große Zuschüsse aus ihrereigenen Tasche leisten mußten. So wurde das Fest mit seinenSchauspielen und pomphaften Veranstaltungen dem persönlichenEhrgeiz der Aedilen dienstbar. Im letzten Jahrhundert der Re-publik befleißigten sich die politischen Führer der Werbung umdie Volksgunst, besonders auch durch die Amphitheater- undTheaterbauten sowie der Verbesserung des Circus. So entstan-den zwischen 95 und 48 v. Chr. das Theater des M. Aemiliusbeim Apollotempel, das des C. Cassius (Censor) am Lupercal(vom Konsul P. Cornelius Scipio niedergerissen), das des Pom-pejus (steinern), 2 (drehbare) des C. Curio, das (hölzerne) Am-phitheater des J. Caesar im Marsfeld, der Circus Florae (imJahre 95). Es folgte die Vergrößerung des Circus Maximus durch Caesar im Jahre 48.
Es ist bereits darauf hingewiesen, daß Augustus in denMethoden und in den Erfolgen der Bewerbung um die Volks-gunst seinen Gegnern den Rang ablief, indem er sic in seinenBemühungen um Befriedigung des Volkes an Wahrhaftigkeit undErnsthaftigkeit dieser Bemühungen übertraf, daß er freigebignicht nur erscheinen, sondern sein wollte, daß er volkstümliche