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Gewohnheiten persönlich nicht nur zur Schau trug, sondern ininnerer Übereinstimmung übte. Auf derselben Linie liegt es,daß Augustus auch dem Geschmack des Volkes nicht nur nach-gab, sondern ihn innerlich restlos teilte. Wenn von ihm berich-tet wird, daß er „alle übertraf durch die Häufigkeit, Mannigfal-tigkeit und Pracht seiner Schauspiele“, so wissen wir außerdem,daß er selbst sich dessen rühmte. In seiner Selbstbiografie aufdem Ancyranischen Marmormonument hat er mit solcher Aus-führlichkeit darüber berichtet, daß die Hingabe des Kaisers anden Geschmack, ja die Leidenschaft für die Spiele des Circus,der Amphitheater und Theater sowie die Naumachien nicht zwei-felhaft ist. Es wird auch berichtet, daß Augustus die Teilnahmean keinem Schauspiel oder Fest versäumte, und daß er das Volkbegeisterte durch die augenfällige Aufmerksamkeit, mit welcherer von Anfang bis zu Ende seiner Anwesenheit die Hergängeverfolgte.
III.
Hier nun muß in unsere Darstellung eine über die Augu-steische Zeit hinausgreifende Schilderung eingeschaltet werden,welche die Gesamtheit der durch Jahrhunderte das stadtrörai-sche Leben beherrschenden „ludi“ zur Anschauung bringt.
Die Zeit des Augustus gibt die beste Anknüpfung für dieseDarstellung, obwohl Augustus nicht der erste Politiker war, wel-cher die Spiele als äußerst wirksames politisches Mittel hand-habte, und obwohl erst nach der Augusteischen Zeit das Spiel-wesen seine größte Ausdehnung und seine stärkste Bedeutung ge-wonnen hat, was unter Nero, Vespasianus , Titus der Fall war.Aber vor Augustus, insbesondere noch unter Caesar, wurden dieSpiele dem Volke mehr gelegentlich und ausnahmsweise verab-reicht, nicht in der systematischen Art, wie sie durch Augustuseingeführt und für de ganze Kaiserzeit maßgebend geblieben ist.
Es sind zu unterscheiden Circusspiele, Bühnenspiele, Gla-diatorenkämpfe, venationes (Tierhetzen), Naumachien (Seege-fechte in künstlichen Seen) ungerechnet einige besondere Arten