Panem et Circenses
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wie das „Trojaspiel“ (ludus Trojae) d. h. ritterliche Übungenjunger Leute aus vornehmen Familien.
IV.
Die ältesten Spiele waren diejenigen, welche im Circus ge-halten wurden. Sie reichen in die Königszeit zurück und wur-den von jeher in dem zwischen Aventin und Palatin gelegenengroßen Circus abgehalten, welcher in den ältesten Zeiten Roms entstanden ist. Erst im Jahre 220 v. Chr. kam ein zweiter Cir-cus hinzu, der vom Censor Flaminius erbaute, nordwestlich vomKapitol nahe dem Flusse gelegene „Flaminische Circus“ (CircusFlaminius). Später sind Circi gebaut worden, über deren Be-deutung nennenswerte Nachrichten nicht auf uns gelangt sind:von Nero (am Vatikanischen Hügel) von Heliogabalus (vorder Porta S. Giovanni „circus Varianus“), von Maxentius an derVia Appia .
Die Bedeutung des Circus Maximus übertraf diejenige desCircus Flaminius und aller anderer Circi so erheblich, daß erimmer „der Circus“ geblieben ist. Seine Lage und Gestalt, seineAusstattung und das Leben in ihm wird durch folgende genauden Quellen entsprechende Darstellung *) veranschaulicht.
Das lange, verhältnismäßig schmale Tal, das sich zwischenden parallel streichenden Abhängen des Aventin und Palatin hin-dehnt, erscheint zum Schauplatz von Wettkämpfen, namentlichrennender Wagen, wie geschaffen. Auf dem Rasen dieser Hügel-abhänge hatten sich schon in den ältesten Zeiten die Bürger derjungen Stadt mit Weibern und Kindern gelagert, wenn an sel-tenen Feiertagen eine Wettfahrt oder ein Faustkampf veranstal-tet wurde. Hierher verlegte die Sage auch das Schauspiel, heidem die ersten Römer sich ihre Bräute raubten. Mit der wach-senden Macht und Größe der Stadt wuchs auch die Pracht undFeierlichkeit des Kultus. Immer häufiger und regelmäßiger wur-den die Feste der einheimischen oder vom Staate anerkanntenfremden Götter, die in der Regel eine Circuslustbarkeit beschloß;
*) Friedländer, Darstellungen aus der Sittengeschichte Roms, Leipzig 1881,Bd. II, S. 283.