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Panem et Circenses
und neben diesen bestimmten Feiertagen mehrten sich die au-ßerordentlichen Veranstaltungen, die das Volk in der Rennbahnversammelten. Einrichtungen für Sitzplätze waren hier schonvon den Königen getroffen worden. Aus hölzernen Gerüstenwurden mit der Zeit steinerne Bauten, endlich ersetzte Marmorden Tufstein, Vergoldung den farbigen Anstrich. Schon nachdem von Julius Caesar beendeten Ausbau gehörte der große Cir-cus zu den ersten Prachtbauten Roms. Die Länge der Bahn be-trug ca. 700 m, ihre Breite ca. 500 m. Um die Bahn zog sichein Graben von 3—4 m Breite und Tiefe. Die Sitzreihen, aufeinem Unterbau geführt, der aus einem dreifachen Stockwerk vonBogenwölbungen bestand, erhoben sich im Innern amphitheatra-lisch. Nur die untersten Sitzreihen waren von Marmor. Dieobersten waren von Holz, und blieben so auch in später Zeit.Unter Antoninus Pius sollen bei einem Zusammensturz der Holz-bauten über xioo, unter Diocletian und Maximian sollen so-gar 13 000 Menschen ums Leben gekommen sein.
Das Wachsen der Bevölkerung und die Zunahme der Leiden-schaft für die Circusspiele veranlaßte wiederholt Neubautenund Erweiterungen. Den ersten umfassenden Neubau scheintNero unternommen zu haben, da der große Brand im Jahre 64den Circus, in dem er ausbrach, wahrscheinlich fast ganz zer-störte; er ließ auch den die Bahn umgebenden Kanal zuschüttenund benutzte den gewonnenen Raum zur Vermehrung der Sitz-plätze, deren Zahl [sicher sehr übertrieben — AL] auf 250000 an-gegeben wird. Ein abermaliger Neubau (ebenfalls nach einemBrande) wurde von Domitian begonnen, von Trajan fortgesetztund beendet. Die unermeßliche Länge des Circus wetteifertenun nach dem Ausdruck des jüngeren Plinius im Jahre 100 mitder Pracht der Tempel; es war ein Raum, würdig der völkerbe-siegenden Nation und nicht weniger sehenswürdig als die Schau-spiele, die man dort sah. Eine Inschrift aus dem Jahre 105 ent-hält den Dank der 35 Tribus für die Errichtung der (5000)neuen Sitzplätze im Circus. Von späteren Restaurationen undErweiterungen werden nur wenige beiläufig erwähnt, infolge die-