Panem et Circenses
285
wie das „Trojaspiel“ (ludus Trojae) d. h. ritterliche Übungenjunger Leute aus vornehmen Familien.
IV.
Die ältesten Spiele waren diejenigen, welche im Circus ge-halten wurden. Sie reichen in die Königszeit zurück und wur-den von jeher in dem zwischen Aventin und Palatin gelegenengroßen Circus abgehalten, welcher in den ältesten Zeiten Roms entstanden ist. Erst im Jahre 220 v. Chr. kam ein zweiter Cir-cus hinzu, der vom Censor Flaminius erbaute, nordwestlich vomKapitol nahe dem Flusse gelegene „Flaminische Circus “ (CircusFlaminius). Später sind Circi gebaut worden, über deren Be-deutung nennenswerte Nachrichten nicht auf uns gelangt sind:von Nero (am Vatikanischen Hügel) von Heliogabalus (vorder Porta S. Giovanni „circus Varianus“), von Maxentius an derVia Appia .
Die Bedeutung des Circus Maximus übertraf diejenige desCircus Flaminius und aller anderer Circi so erheblich, daß erimmer „der Circus “ geblieben ist. Seine Lage und Gestalt, seineAusstattung und das Leben in ihm wird durch folgende genauden Quellen entsprechende Darstellung *) veranschaulicht.
Das lange, verhältnismäßig schmale Tal, das sich zwischenden parallel streichenden Abhängen des Aventin und Palatin hin-dehnt, erscheint zum Schauplatz von Wettkämpfen, namentlichrennender Wagen, wie geschaffen. Auf dem Rasen dieser Hügel-abhänge hatten sich schon in den ältesten Zeiten die Bürger derjungen Stadt mit Weibern und Kindern gelagert, wenn an sel-tenen Feiertagen eine Wettfahrt oder ein Faustkampf veranstal-tet wurde. Hierher verlegte die Sage auch das Schauspiel, heidem die ersten Römer sich ihre Bräute raubten. Mit der wach-senden Macht und Größe der Stadt wuchs auch die Pracht undFeierlichkeit des Kultus. Immer häufiger und regelmäßiger wur-den die Feste der einheimischen oder vom Staate anerkanntenfremden Götter, die in der Regel eine Circuslustbarkeit beschloß;
*) Friedländer, Darstellungen aus der Sittengeschichte Roms, Leipzig 1881,Bd. II, S. 283.