Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
Seite
321
Einzelbild herunterladen
 

weströmischen Kaiser des fünften Jahrhunderts residierten wie-der auf dem Palatin, ebenso später Odoaker und Theodorich.

Die Entwicklung der Bebauung des Palatin ergab das Neben-einanderbestehen einer Mehrzahl von selbständigen großen Palä-sten, ein jeder einzelne mit selbständigem Zugang, und jeder mitreichlichem Zubehör von Verwaltungs-Nebengebäuden, Logiei-häusern, Wartehallen, Bädern, Plätzen für Erholung und Leibes-übungen, Terrassen, Teichen.

Dieser Zustand gestattete jedem Kaiser die Auswahl einesoder mehrerer Paläste, die er bewohnen und mit denen er wech-seln konnte. Auch war durch jene Mehrheit der Palastanlagen diegleichzeitige Residenz mehrerer Mitkaiser mit getrennter Hofhal-tung ermöglicht.

Mitkaiserverhältnisse von längerer Dauer bestanden 5 bis14 nach Chr. (Augustus, Tiberius), 161 bis 169 (Marc Aurel ,Lucius Verus) 169180 (Marc Aurel, Commodus ), 198 bis 211(Septimiums Severus, Caracalla), 253 bis 260 (Valerianus, Gal-lienus).*)

Reichlicher Platz mit allem Luxus der Gastlichkeit war aufdem Palatin vorhanden zur Unterbringung fremder Gesandtschaf-ten, wie sie aus Indien, Arabien, Britannien, Medien, Persien , demPartherlande und aus Germanien in nicht geringer Zahl berichtetwerden. Auch die zur Berichterstattung an den Kaiser nach Rom beorderten Provinzialbeamten sowie Abgesandte verschiedenerArt aus den Provinzen fanden dort Aufnahme. Die Kaiser stell-ten gern prominenten Persönlichkeiten, Dichtern, Philosophen,Polyhistoren, aber auch Künstlern des Theaters und berühmtenPantomimen Aufenthalt und Wohnung in den Palästen zur Ver-fügung. Man rühmte die Ruhe innerhalb der weitläufigen Pa-läste, in denen die Schlafzimmer weit entfernt von den Straßenlagen, und man ungestört durch deren Lärm schlafen konnte.

*) Das Mitregentenverhältnis von Caracalla und Geta (211212) stehtauf einem besonderen Blatt. Sie begannen mit Zwist, bezogen dann ge-mäß Übereinkunft auf dem Palatin ein jeder einen Palast. Jeder schützteseinen Palast durch militärische Besatzung gegen den anderen, jeder demBruder nach dem Leben trachtend. Caracalla tödtete auf scheußliche Weise

Neomario, Geschichte der Stadt Rom

21