Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
Seite
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322 Rom als Kaiserresidenz u. Reichshauptstadt 14 324 n. Chr.

Kapitel II.

Die Umgebung der Kaiser.

i.

m eine Anschauung von der Art und Menge der Per-sonen zu erhalten, welche die regelmäßige Umgebungdes Kaisers bildeten, erscheint es zweckdienlich,den äußeren Verlauf eines gewöhnlichen Geschäfts-tages des Kaisers in Rom zu verfolgen.

Man muß dabei in erster Linie an Augustus, Vespasianus ,Nerva, Antoninus Pius, Marc Aurel, Septimius Severus ,Alexander Severus denken, die Muster jener genialen Regie-rungskunst, welche in der Verbindung geschäftlicher Ordnung,freier Sachlichkeit und menschlicher Güte besteht.

Das Kennzeichen und die Verwirklichung der hiermit an-gedeuteten Regierungsweise in der römischen Kaiserzeit ist dieArt, wie der Kaiser mit dem Publikum verkehrte. Von Augustusbis Alexander Severus war für diesen Verkehr die charakteri-stische Einrichtung der Morgenempfang beim Kaiser. Es han-delte sich dabei um eine feststehende Einrichtung in dem Sinn,daß der Kaiser allen denjenigen Personen, die ihn sprechen unddie er sprechen wollte, zu festbestimmten Morgenstunden in demkaiserlichen Palast auf dem Palatin empfing.

Diese Einrichtung knüpfte an republikanische Sitten an.

Das Tagewerk des Römers nahm seinen Anfang mit demSonnenaufgang. Der Schulunterricht wie das Handwerk, die Ar-beit des Gelehrten und der Dienst des Beamten begannen gleich-mäßig mit dem Anbruch des Tages. Der Hausherr empfing beiTagesanbruch den Gruß der Kinder und der Sklaven, um dann

eigenhändig den Bruder in den Armen der gemeinschaftlichen Mutter, nahmden Palast des Bruders mit Gewalt und unter Niedermachung der sehrgroßen Besatzung und sämtlicher Bewohner ein, und schloß daran eine Mord-Razzia über den ganzen Palatin, welcher auch der große Rechtsgelehrte Pa-pinianus zum Opfer fiel.