324 Rom als Kaiserresidenz u. Reichshauptstadt 14 — 324 n. Chr.
trachtet. An Sitzungstagen des Senates ließ er den Morgenemp-fang ausfallen und begrüßte dann die Senatoren in der Sitzungselbst, wobei sie ihren Platz behalten mußten.
Tiberius bat zu Anfang seiner Regierung die Senatoren, nurzu ihm zu kommen, wenn es sich um eine Gesamtgratulation han-dele. Dem Zustrom des Volkes zu den regelmäßigen Morgen-empfängen hat er nicht gewehrt. Es scheint aber, daß ihmschließlich der Massenandrang zur Last wurde, und daß dies fürdie Flucht aus Rom nach Capri für die letzten neun Lebensjahreeine Rolle gespielt hat.
Claudius ließ sich wiederum in den Empfängen von derMenge bestürmen. Sueton erwähnt, daß auch Frauen, Knabenund Mädchen sich zum Empfange einstellten.
Von Nero rühmt Sueton , daß er bei den Empfängen Perso-nen aller Stände zuließ, und dabei sein glänzendes Personenge-dächtnis durch namentliche Anreden bewies.
Vespasianus, der unermüdlich und von grenzenloser Auf-merksamkeit gegen alle Stände war, widmete täglich dem Mor-genempfang zwei Tagesstunden. Vor dem Empfangspalast wogtezur Zeit des Empfanges eine bunte Menschenmenge, Amtsperso-nen, Audienzempfänger die zum Kaiser gingen oder von ihm ka-men, Neugierige, die den Imperator beim Ausgehen und Herab-steigen vom Palatin sehen wollten, gewohnheitsmäßige Palatin-besucher, welche sich dort trafen.
Im Palaste selbst bezog eine Kohorte der Praetorianer(1000 Mann) die Wache, um unauffällig auf dem Palatin ver-teilt zu werden. Am Eingänge war nur ein Posten unbewaff-net und in bürgerlicher Tracht auf gestellt.
Im Innern des Palastes war eine Abteilung der kaiserlichenDienerschaft tätig, um die Ordnung aufrecht zu erhalten und dieAufwartenden anzumelden und einzuführen. Dolmetscher allerSprachen vermittelten Fremdsprachigen die Verständigung.
Der jüngere Plinius (62 bis 113 n. Chr.) beschreibt die Si-tuation in und bei dem Audienzsaal folgendermaßen: „Tiefe Ruheherrscht vor und hinter dir, am meisten aber in deiner Nähe; es