Die Umgebung der Kaiser
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wird so geräuschlos und rücksichtsvoll verfahren, daß man zueinem kleinen und beschränkten Hausstande auf dem kaiserlichenPalaste das Muster der Ruhe und Bescheidenheit mitbringt“.
Von den Audienzen des Alexander Severus wird berichtet:„Er gab Audienz wie einer von den Senatoren; die Vorhänge deskaiserlichen Kabinettes waren zurückgeschlagen und zugegen wa-ren nur die Diener, die den Dienst an der Tür hatten.“
Verschieden von den regelmäßigen Morgenempfängen wa-ren die allgemeinen öffentlichen Empfänge, wie sie bei festlichenAnlässen, insbesondere bei Regierungantritten und am Neujahrs-tag, mit großem Pomp stattfanden. Von diesen ist hier nichtweiter zu reden.
Ebensowenig soll hier auf die von den Kaisern häufig veran-stalteten öffentlichen Gastmäler i convi via publica) eingegangenwerden, an welchen Hunderte von geladenen Gästen (unter Clau-dius meist 600) teilnahmen und welche zu den großen Sensationendes Paiatium und der Stadt gehörten.
Das Leben auf dem Palatin und in dessen nächster Umge-bung hat sich während der Kaiserzeit in steigendem Maße alsPalast- und Hofleben entwickelt, durchaus entgegen der Meinungdes Augustus. Wenn man die Politik des Augustus als kaiserlich-demokratisch charakterisiert, so ist dies irreführend. Trotz derstarken Betonung der Gleichheit der Bürger und des Aufstiegesder Enterbten (Proletarier, Freigelassene, Provinzialen) bliebdas Hauptbestreben des Augustus die Bekämpfung des aristokra-tischen Republikanismus durch Aufrichtung und Festigung derdynastischen Monarchie. Aus dieser Tendenz erklärt sich ganzwesentlich auch, daß Augustus nicht nur den Senatorenstand, son-dern auch den Ritterstand ganz von dem Hof- und Beamtendienstausschloß, dessen der Kaiser niemals hat entraten können. Augu-stus hat sich anstatt dessen mit einem lediglich aus Sklaven undFreigelassenen bestehenden Personal umgeben, welchem nichtnur seine und seiner Familie persönliche Bedienung oblag, son-