Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
Seite
327
Einzelbild herunterladen
 

Die Umgebung der Kaiser

327

teil nicht nur dem Augustus sondern auch seinen Nachfolgern dieMöglichkeit, eine intellektuelle und moralische Elite grade aus demKreise der Sklaven und Freigelassenen an sich zu ziehen. Es istgewiß nicht zufällig, daß die hervorragenden Freigelassenen,welche Augustus zu sich auf das Palatium zog, zu einem großenTeil Griechen, Orientalen, Gallier waren. Der von den Römernsehr ungern gesehene große persönliche Einfluß dieser Gefolgs-leute des Kaisers kann nicht vorwiegend auf Schwäche des Kai-sers, sondern muß in der Hauptsache auf Vertrauenswürdigkeitund dem wirklichen Werte der Persönlichkeiten beruht haben.Ein Beispiel, das für charakteristisch gelten darf, war der ehema-lige Sklave Claudius Etruscus, der als achtzigjähriger Mann un-ter Domitian starb. Derselbe war, kaum dem Knabenalter ent-wachsen, aus Kleinasien nach Rom an den Hof gekommen unddurch Tiberius freigelassen. Er diente dann unter io Kaisern,von denen 6 eines gewaltsamen Todes starben. Im Genuß höch-sten Ansehens und mit ungeheurem Reichtum ging er als Greisin friedlichstem Dasein dem Ende entgegen. (P. PapinianusStatius, 45 bis 96 n. Chr., Gedichte ,,Silvae III, Nr. 3).

Ein zweiter Umstand, welcher die Dauerhaftigkeit der Be-schränkung des Palastdienstes auf Freigelassene erklärt, ist derTatbestand, welcher unter dem Namen der Freunde, der Beglei-ter, der Gesellschafter (amici, comites, convictores) der Kaisereine sehr bedeutende Rolle gespielt hat.

Die bekanntesten und imponierendsten Beispiele der Freundesind Maecenas und Agrippa für Augustus, L. Aelius Sejanus fürTiberius, Seneca und Tigellinus für Nero.

Die Zuziehung von Freunden bei der Entscheidung allerwichtigen Amtsangelegenheiten entsprach alter guter republikani-scher Sitte. Die Zahl der Freunde war bei allen Kaisern sehrgroß. Sie waren es, die die Hauptrolle bei den Morgenempfängenspielten. Je nach ihrem Rang und ihrem persönlichen Verhältniszum Kaiser waren sie an der ersten oder zweiten Vorlassung be-teiligt (prima admissio, secunda admissio). Im übrigen verhehl-ten die Amici im kaiserlichen Palast als oder wie Hausgenossen.