Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
Seite
328
Einzelbild herunterladen
 

328 Rom als Kaiserresidenz u. Reichshauptstadt 14 324 n. Chr.

An der Tafel des Kaisers nahmen immer geladene Freunde teilMit Alexander Severus speisten stets einige Freunde, welche nichtbesonders eingeladen waren. Zur Bedienung der Freunde war einTeil der Hofdienerschaft (a cura amicorum) bestellt.

Man muß sagen, daß die Freunde meistens es zu ihrer Le-bensaufgabe machten, dem Kaiser in unbeschränkter Hingabe zurVerfügung zu stehen. Sie ersetzten, modern gesprochen, Reichs-kanzler, Minister, Staatsrat, Kronsyndici. Sie stellten einenständigen, immer gegenwärtigen Kronrat dar. Die Kaiser berie-fen sie, gemäß dem Bedürfnis der Lage, einzeln oder in Form einesConsilium, zu sich. Von Hadrian wurde außerdem unter demförmlichen Namen desConsilium Augusti ein festangestelltessalariertes Beratungskollegium begründet, deren Mitglieder imPalaste residierten, und welches in der nachdiocletianischen Zeitden NamenConsistorium annahm.

Wenn der Kaiser Reisen oder Expeditionen unternahm, sowählte er aus der Zahl der Freunde eine Mehrzahl von Reisebe-gleitern (comites), welche alscohors amicorum sein Gefolgeund Arbeitskabinett bildeten. Dieselben erhielten Besoldung fürdie Dauer der Reise. Sie reisten und wohnten mit dem Kaiser inenger Gemeinschaft. Im Feldlager war stets ein besonderer Platzfür sie in unmittelbarer Nähe des kaiserlichen Zeltes abgesteckt.Die Stellung der comites war gegenüber dem Kaiser sehr selb-ständig, frei, würdig und vielbeneidet. Sie war nicht seltenschwierig, ja gefahrvoll, aber immer überaus einflußreich undinfolge der seit Caligula geübten großartigen Freigebigkeit desKaisers gegenüber den Freunden höchst einträglich. Die Kaiserkargten nicht mit großen Geldsummen und mit wertvollemGrundbesitz. Das Verhältnis der Freunde zum Kaiser war aberso, daß der Kaiser auch umgekehrt von ihnen wertvolleGeschenke, auch in klingenden Werten, erhielt, namentlich bei derNeujahrsfeier. Auch trugen die Freunde zum großen Teil dieUnkosten, welche ihnen im kaiserlichen Dienste erwuchsen. VonCaligulas Reisebegleitern wird berichtet, daß sie durch den ihnenerwachsenen Aufwand zugrunde gerichtet wurden. Im ganzenmuß man sich das Verhältnis der Amici Caesaris unter einander