Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Neuntes Buch.

Die Stände und das Volk. Stadtbildund Stadtleben 14 bis 235 n. Chr.

Kapitel I.

Die Stände.

i.

enn wir cs hier unternehmen, einen Überblick überdas tägliche Leben der Stadt in den ersten Jahr-hunderten der Kaiserzeit zu geben, so sei vorab be-merkt, daß ein derartiger Überblick schlechterdingsnur für eben diesen Zeitabschnitt aus der gesamten römischenGeschichte möglich ist, und zwar nur in der Beschränkung aufdie Zeit bis zum Jahr 235 n. Chr., dem Jahr, in welchem mitAlexander Severus das Severische Herrscherhaus erlosch, undder Verfall des Reiches begann. Bis zu diesem Zeitpunkt, undnicht länger, hielt das Kaisertum die Stadt Rom fest in derHand, kraft der Herrschaft über das Reich. Augustus und Ti-berius hatten die Kraft des Bürgertums zerstört, und die Herr-schaft des Senates gebrochen. Die Provinzialen wurden demBürgertum genähert, vielfach gleichgestellt. Den Ausländernwurde in Rom der Boden geebnet. Den Freigelassenen wurdetatsächlich zu Einfluß und Reichtum verholfen. Die auf dieseWeise bewirkte Nivellierung der gesamten Bevölkerung hatte zurFolge, daß eine weitgehende Ebenmäßigkeit der Lebenshaltung,der Verkehrssitte, der Kultur, der Anschauungen eintrat.

Nicht im Widerspruch zu dieser Charakterisierung steht dieTatsache, daß sich neue Stände gebildet hatten, welche gemein-hin alsdie drei Stände und zwarSenatorenstand, Ritter-