Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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360 Oie Stände und das Volk. Stadtbild und Stadtleben

Wahrscheinlich schon vor Domitian war die Aufnahme inden senatorischen wie in den Ritterstand ein Vorgang geworden,welcher sich ganz im Rahmen der kaiserlichen Kabinettsregie-rung vollzog. Die Aufnahme erfolgte regelmäßig auf Ansuchen.Es gab für diese Gesuche ein eigenes kaiserliches Büro, welcheseine Abteilung des Hofamtes für die Bittschriften (,,a libellis)bildete. Dasselbe stand unter einem höheren Beamten von Rit-terstand. DieVerleihung des Ritterpferdes", wie man nochimmer sagte, war nur der Ausdruck der Standesverleihung, de-ren entscheidende Voraussetzung außer der Ehrenhaftigkeit, desBewerbers dessen dem Ritterzensus von 400,000 Sesterzen ent-sprechendes Vermögen war. Die Zahl der Ritter, welche zuAugustus Zeit 5000 überstieg, ist in der ganzen Kaiserzeit un-aufhörlich in starkem Maß gewachsen.

Von den Abzeichen (Insignien) des senatorischen Standessind feststehend geblieben: der rote Schuh und der breite Pur-purstreifen (latus clavus) am Untergewand. Dieser Streifenwar unter dem Oberkleid vom Halsabschnitt ab bis auf denGürtel sichtbar.

Zu den gleichfalls äußerlich hervortretenden Sonderrechtender Senatoren gehörte das auf griechischem Vorbild beruhendeRecht der Proedria, das heißt auf Ehrenplätze im Theater.

Den Rittern stand das Recht zu, am Untergewand einenroten Purpurstreifen, wie die Senatoren, zu tragen, nur schmäler(angustus clavus). Bei allen Paraden und Feierlichkeiten tru-gen sie das ritterliche Kriegsgewand, ein kurzes Oberkleid miteingewirkten schmalen Purpurbalken: trabea genannt. Am 15.Juli fand vor dem Kaiser ein Aufzug der Ritter in voller mili-tärischer Rüstung zu Pferde statt, welcher vom Tempel desMars am Capenischen Tor über das Forum, wo ein Opfer statt-fand, zum Capitol ging. Dieser Festung bestand bis nach demJahr 300.

Durch besondere Gesetze (erwähnt wird eine lex Julia thea-tralis, wahrscheinlich von Augustus ) wurden den Rittern imTheater sowie bei den Renn- und Fechtspielen Sondersitze vor-