362 Die Stände und das Volk. Stadtbild und Stadtleben
anlangt, so wohnten die Senatoren nicht prächtiger als die Rit-ter und als zahlreiche Freigelassenle, deren Haushaltung undöffentliche Lebensführung ebenso wenig wie die der Ritter zu-rückblieb hinter der Lebenshaltung der Senatoren. Es gabnicht wenige Senatorenfamilien, welche von ihren Standesge-nossen und vom Kaiser finanzielle Unterstützung empfingen, umdurchzukommen.
Nur ausnahmsweise traten die beiden ersten Stände im öf-fentlichen Leben hervor: bei einzelnen öffentlichen Aufzügen,sowie in den Theatern, Amphitheatern, Zircussen, wo die Sena-toren und die Ritter auf besonderen Plätze geschlossen zu er-blicken waren.
Die pomphaften und natürlich häufigen öffentlichenLeichenzüge gehören nicht zu diesen Aufzügen. Bei derBestattung war zwar großartiges Gepränge mit viel Geräusch üb-lich. Aber bei dem Zug zu der vor den Toren belegenen Be-gräbnisstätte entäußerte sich das Trauergefolge wie jedenSchmuckes so auch jedes Standes-, Rang- und Amtsabzeichens,besonders der fasces, des goldenen Ringes und des latus clavus.Die Trauergewandung war schlicht schwarz, die Männer gingenmit verhülltem Haupt, die Frauen mit aufgelöstem Haar.
Tn der Menschenfülle der engen Straßen und dem Gedrängeder Plätze, in welcher alle Farben und Formen der Völkertrach-ten, die verschiedensten Kleidungsarten der Gewerbe und Beschäf-tigungen, die Amtstrachten und die Uniformen der Praetorianersowie der Legionarsoldaten durcheinanderwogten, traten dieStandesunterschiede nicht in die Erscheinung. Zwar die hohenBeamten fielen sicher auf, wenn sie im Schutze ihrer in Linie vor-marschierenden Liktoren gingen. Aufsehen machte auch wenneine Gauklergruppe oder ein Zug von Elefanten,*) oder derPomp eines morgenländischen Gesandten, welcher zum Palatinzog.
*) Das konnte noch nach dem Jahre 200 geschehen. Zu Kaiser Gor-dian III. Zeit wurdeu in Rom noch 32 Elefanten in den Kaiserlichen Zwin-gern gehalten.