Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Wahrscheinlich aber beachtete man nicht den roten Brust-streifen, (latus clavus oder latus angustus) eines Senators oderRitters.

Einem Menschenfreund. Sozialphilosophen oder Dichter wieMartial fiel vielleicht noch mehr das Elend auf, welches im Stra-ßenbild zu erblicken war:Die Bettler auf den Brücken, Stufenund Schwellen von Gebäuden, Hügelabhängen, welche durch ihrenjammervollen Anblick, ihre Lumpen und ihre Nacktheit, ihreGebrechen und Schäden (Blinde, von einem Hunde geführt)das Mitleid zu erregen suchten und mit heiserer Stimme in sin-gendem Ton, unaufhörlich ihre Bitten um Almosen wiederhol-ten (Friedländer, Darstellungen aus der Sittengeschichte Roms,5. Aufl., Bd. I, S. 262.).

V.

Eine charakteristische Erscheinung des öffentlichen Lebens.ler Kaiserzeit welche die gesellschaftliche Klassifizierung be-traf, war die Entstehung von Klassenunterschieden innerhalbder zwei ordines und von Übergangsgruppen zwischen denselbensowie zwischen Ritterschaft und plebs. In unserer Darstellunghierauf näher einzugehen, dürfen wir unterlassen, indem wiranstatt dessen das Verhältnis der Stände als eine von der plebszum Ritterstande und von diesem zum Senatorenstande auf-steigende Stufenleiter ins Auge fassen, deren Erklimmung dieEntwicklung des staatlichen Organismus und das Leben der bür -gerlichen Gesellschaft in Rom mehr und mehr bestimmt hat.

Der beste Überblick über die Vorgänge wird gewonnen,wenn man von dem Ritterstand ausgeht und der berühmten For-mel folgt, daß der Ritterstand die Pflanzschule des Senates war(seminarium senatus).

Die Kaiser Marc Aurel und Verus erließen eine Beamten-rangordnung. Dieselbe schied die Beamten von Ritterrang indrei Klassen: 1) die durch die Bezeichnung vir eminentissimusausgezeichnete erste Klasse, welche nur die Gardepräfekten (prae-fecti praetorio) umfaßt, 2) die zweite Klasse mit dem Prädikat