366 Die Stände und das Volk. Stadtbild und Stadtleben
heure Geschäftschance der Ritterschaft, das letzte Jahrhundertder Republik war, und daß die monarchische Umgestaltung desGemeinwesens die Lage der Ritterschaft wesentlich, ja vollstän-dig verschoben hat. Die Kaiser reformierten den Ritterstand inder Richtung eines kaiserlichen Beamtenstandes. Sie beschnittenden Rittern die Ausbeutung der „Licitationen“.*) Zwar ver-blieb ihnen die Teilnahme an diesen Licitationen unter Aus-schluß der Senatoren und Freigelassenen als Monopol.
Aber das von Augustus für alle Provinzen scharf geübteKontrollrecht schloß die Ausbeutung der Provinzen durch dieRitterschaft und auch die Spekulationen in enge Grenzen ein.
Der Ritterstand wurde zum Beamtenstand.
Der alte Reiterstand, welcher in der Zeit der Bürgerkriegedas Beuterecht unter Sulla , Caesar, Pompe jus, Antonius undAugustus auf allen Kriegsschauplätzen Europas, Asiens undAfrikas kriegsmäßig zu üben sich gewöhnt hatte, hatte sich dannin den Provinzialämtern ein anderes unglimpfliches, ein ge-schäftliches, Beutesystem angeeignet und sich mit diesem zumGeschäftsstand entwickelt, mit übelster Berühmtheit. In diesemStande aber hatte sich eine Menge von erfahrenen, landes- undvolkskundigen Persönlichkeiten herausgebildet, welche Fond ge-nug besaßen, um durch einen genialen Regierungschef, wie Augu-stus es war, in sehr brauchbare Beamte umgewandelt zu werden.
Augustus brachte es fertig, diese Auslese und diese Um-wandlung zu bewirken.
*) Llcitatio (liceri, licitari) das Angebot — durch Erhebung von zweiFingern — bei der Vergebung von Staatslieferungen und der Verpachtungvon Steuern im Wege der Versteigerung.