Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Stadtbild und Stadtleben

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Kapitel H.

Stadtbild und Stadtleben.

i.

m ein Bild des in den Straßen Roms sich darbieten-den täglichen Lebens zu gewinnen, wollen wir ver-suchen, einen Spaziergang durch einige Hauptstra-ßen der Stadt auszumalen. Dabei ist unser Ziel,uns auf die Schau des Allgemeinen und Gewöhnlichen zu be-schränken.

Das Jahr 210 n. Chr., das letzte der Regierungszeit desSeptimius Severus , welcher im folgenden Jahr in Britannienstarb, erscheint uns als geeigneter historischer Moment für un-sere Umschau. Noch war Rom in voller Entwicklung. DieAurelianische Mauer war noch nicht gebaut. Die Riesenthermendes Caracalla, des Diocletian und Konstantin existierten nochnicht. Das Kaisertum stand auf seiner Höhe. Der Umfang derStadtbebauung und die Einwohnerzahl hatten ungefähr ihrenhöchsten Grad erreicht, das Reich soeben seine letzte große Aus-dehnung gefestigt. Roms Weltstadt-Charakter erfuhr durchdie Erfolge in Britannien und im Parthergebiet seine letzte Ent-faltung.

Wir wählen als Tag den 24. September, weil an diesemTage weder Wagenrennen im Circus, noch Gladiatorenspiele nochsonstige öffentliche Veranstaltungen stattfanden. Denn vom4. bis 19. September hatten die großenludi romani, die älte-sten der Stadt, vom 20. bis 25. September daran anschließend diegroße Jahresmesse (mercatus) die römische Bevölkerung sensa-tionell in Anspruch genommen. Den 24. September war Spiel-pause.

Unser Führer, ein gebildeter und verständnisvoller Mann,schlägt uns vor, das Straßenbild zu verschiedenen Tageszeitenkennen zu lernen, zunächst kurz vor Sonnenaufgang (6 Uhr), um