Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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368 Die Stände und das Volk. Stadtbild und Stadtleben

das Treiben der Klienten vor und während des Morgenempfan-ges, zugleich den Arbeitsbeginn der Handwerker und den Schul-gang der Knaben zu sehen. Zwei Stunden später könnten wir,wenn die Gerichtssitzungen, die Familienfeste und der Geschäfts-verkehr beginnen, die Vornehmen und Mächtigen der Stadt, zuFuß oder in Sänften, in Begleitung ihrer mehr oder minder gro-ßen Schar von Klienten durch die Straßen ziehen sehen, wie sieauf diese Weise ihren Geschäftstag beginnen, der sie bis mittagin Bewegung hält. Sodann in der Zeit nach der Hauptmahlzeit(2 Uhr) wäre der Straßenverkehr wiederum besonders interes-sant, indem dann die öffentlichen Bäder geöffnet würden und je-dermann unterwegs zu diesen sei.

Wir erfahren bei dieser Gelegenheit, daß man in Rom imallgemeinen drei Mahlzeiten im Laufe des Tages nimmt, die erste(icntaculum) zwischen 8 bis 9 Uhr, bestehend in Brot, Wein,Honig, Früchten, die zweite (großes Frühstück, prandium) ge-gen 12 Uhr, die dritte (Hauptmahlzeit, cena) etwa um 3 Uhr.Nach dem prandium hält man allgemein eine Mittagsruhe, nachdieser badet man, und unmittelbar hinterher nimmt man diecena ein. Abends huldige man allgemein dem Weintrunk (com-missatio) in geselliger Vereinigung, in nicht geringem Maße,aber immer mit Wassermischung.

Wir entscheiden uns dafür, unsere Stadtwanderung ein-heitlich in die Morgenstunden zu legen. Da wir erfahren, daßdie Wanderung, wenn sie auf das wichtigste beschränkt undin Ruhe ausgeführt wird, etwa 2 y 2 Stunden in Anspruch nehmenwird, beginnen wir dieselbe um 9 Uhr.

Durch den Wunsch bestimmt das gewöhnliche Leben derStadt zu schauen, beschränken wir uns auf den dichtbewohntenStadtteil Roms zwischen den Foren, dem Marsfeld, dem MonsPincianus, dem Agger Servianus und der südöstlich der Stadt lie-genden Zone der Privat-Parks. Unser Weg wird den Palatin unddas Kapitol, die Foren und das Marsfeld-Gebiet beiseite lassen,weil sie nicht gewöhnliche Wohnviertel sind, sondern Stät-ten des öffentlichen Lebens, das heißt des Staats-, Volks- undStadtlebens. Den Aventin, lassen wir beiseite, weil er als Do-