Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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Stadtbild und Stadtleben

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zur Porta Esquilina auf. Von Rom her begegnen uns Wagen,welche leer, oder mit Dünger beladen sind. Sie haben in derNacht Vieh und Gemüse nach Rom gebracht. Nachdem wir diePorta Esquilina durchschritten haben, erblicken wir rechts dielanggestreckten prächtigen Gärten des Maecenas und dann auf derlinken Seite die großartige von Augustus erbaute Porticus Liviae,welche Strabo zu den hervorragensten Prachtbauten, Ovid zu denbeliebtesten Spaziergängen Roms zählt. Eine breite und hoheSteintreppe führt zu dem Bau und den Anlagen empor, mit denvier Säulenhallen und den reichen Garten- und Wasseranlagen.

Aus dem bewegten Straßengetriebe der Subura hallt,

kreischt, knallt es von den Anrufen der Eselstreiber und den Peit-schen der Fuhrleute. Auf der Treppe steigen Scharen von er-holungs- oder genußbedürftigen Leuten sowie viele Kinder

in Sklavenbegleitung hinan. Hinter der Porticus Liviae,zwischen dieser und dem südwestlich davon ragendenalles beherrschenden Colosseum liegen die Thermen des

Titus und diejenigen des Trajan, im Gebiet des einstmaligengoldenen Hauses des Nero. Auf der Subura staut sich

der Verkehr, weil er an der Porta Esquiliana eine große Stier-Karavane vom Sabinergebirge her auf der Via Tiburtina aufzu-nehmen hat.

W r o die Subura zu Ende ist und durch die Straßenzüge desArgiletum fortgesetzt wird, biegen wir im spitzen Winkel nachrechts um und gelangen hier in den Vicus Patricius, jene ältesteund am längsten in das Mittelalter hinein erhaltene Straße, de-ren letztes steil ansteigendes Stück Clivus Patricius heißt. Mitdem Eintreten in diese zur Porta Viminalis und zum Prätoriani-schen Lager führende Straße wenden wir dem seit Nero der Be-völkerung entzogenen glänzenden Stadtviertel der Carinae und desFagutal den Rücken.

Wir befinden uns jetzt in dem am dichtesten bewohnten Teilder Stadtquartiere, welchem augenblicklich unser besonderes In-teresse gilt. Die 65 Jahre später erfolgte Erbauung der Aureli-

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