Stadtbild und Stadtleben
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Die Leiche wurde unverhüllt auf der Paradebahre liegend,von den nächsten Verwandten getragen.
Ein großes Gefolge von Verwandten, Freunden und Klien-ten schloß den Zug.
Der Zug ging durch die Porta Esquilina zu dem Erbbegräb-nisse der Familie an der Via Tiburtina hinaus.
Indem wir, zum Clivus Patricius hinaufsteigend, den VicusPatricius verlassen und, uns nach links wendend, die 440 m langeFront der eine Besatzung von 15,000 Mann fassendenPraetorianischen Citadelle, „castra Praetoria“, rechts liegen las-sen gelangen wir zur Porta Nomentana. Von dieser gehen wirweiter zur Porta Collina, mit welcher der Vicus Longus erreichtist, der hinab bis zum Forum Trajanum führt. Der ganze Vi-cus Longus läuft in der nach dem Marsfeld abfallenden Talmuldezwischen dem Viminalischen und Quirinalischen Hügel. DieseMulde nebst den Abhängen der beiden Hügel ist bis in die spätererepublikanische Zeit hinein von Wald und Gebüsch bedeckt ge-wesen. Dann, wahrscheinlich in der Sullanischen Zeit, erfolgterasch die Bebauung. Der berühmte Rechtsgelehrte AquiliusGallus, der Freund Ciceros , scheint als Einziger auf der Höhe desViminalis einen vornehmen Palast gehabt zu haben, während imübrigen das ganze Gebiet der neuen Bauten proletarischen Cha-rakter hatte und als Armeleuteviertel galt. In anscheinendemGegensatz hierzu steht der Umstand, daß die Straße ungewöhnlichbreit angelegt war. Indessen erklärt sich dies leicht daraus, daßdie Häuser schmal gebaut waren und daher das Bedürfnis be-stand, den Bewohnern einen möglichst großen Anteil an derStraßenfläche zu verschaffen, als Platz für gewerbliche und hand-werkmäßige Tätigkeiten. *)
*) Für das Straßenbild jeder Stadt ist es wesentlich, in welcher Art derVerkaufsverkehr im Straßenbild sichtbar wird Für Rom ist in dieser Hin-sicht folgendes zu bemerken.
Den breitesten Raum im Straßenbilde nimmt der in jeder Form undüberall geübte Straßenverkauf im Umherziehen sowie in Gestalt fliegenderVerkaufsstände ein. Die Straßen Roms wimmelten von Straßenverkäufernaller Arten, die ihre Waren in Körben und auf Gestellen, oder an Stangen,auf ihrem Kopf, ihrem Rücken, ihren Schultern oder auf dem Rücken von