Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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398 Sittliche Geistigkeit in der Kaiserzeit

Amnestie beendigte, die Abgaben verminderte und dennoch dieFinanzwirtschaft verbesserte. Sein größtes Verdienst aber wares daß er den am 18. September 53 in Spanien (Italica am Baetis)geborenen M. Ulpins Trajanus, den siegreichen Befehlshaber derLegionen am Rhein , adoptierte und denselben als Oberhaupt desStaates designierte.

Das Lebensbild und die Wirksamkeit Trajans sei hier nachA. v. Reumont skizziert:

Im Lager aufgewachsen hatte Trajan alle militärischen zu-gleich aber auch alle bürgerlichen Würden und im Jahre 91 dasConsulat erlangt, dann die Verwaltung in Hispanien und späteram Rhein geführt, während er durch Aufrechterhaltung der Dis-ziplin aber zugleich durch einen gerechten Sinn und Sorge fürdie Bedürfnisse und Ansprüche der Truppen diese fest an sichband. Die Erfolge dieser Verwaltung, die Sicherung der Grenzedurch Militärposten, Lager, Brücken, wie durch die erste Anlagedes berühmten Walles vom Rhein zur Donau (limes) hatten ihmeinen solchen Namen gemacht, daß ebenso wie die Adoption dieöffentliche Stimme ihn zum Oberhaupt des Staates designierte.Durch die beiden Kriege gegen die Dacier, Kriege welche statt wiedie Domitianischen mit einem Tribut an die ruhelosen Nachbarn,mit der Unterwerfung ihres Landes und dem Tode ihres tapferenund gewandten Königs Decebalus endeten, durch die Feldzüge ge-gegen die Parther welche zu großen Landabtretungen genötigt wur-den, durch Erweiterung der afrikanischen Provinzen einerseitssowohl nach Süden wie in westlicher Richtung, gab Trajan demRömerreiche die größte Ausdehnung die es je erlangt hat, nord-östlich bis zum Dnjestr, östlich über Mesopotamien und Assy-rien hin, südlich über Arabien und bis nach Nubien hinein. DieAusdehnung der Grenzen aber war nicht der bedeutendste nochder bleibendste Gewinn von Trajans Regierung. Die trefflicheTustizpflege an welcher er sich persönlich beteiligte, immer ernstund gerecht, aber milde und nachsichtig, wetteiferte mit der vor-sorglichen gewissenhaften Verwaltung. Großartige öffentlicheWerke gingen Hand in Hand mit weisem Haushalt, und der per-sönliche Luxus wie das Geld machen früherer Herrscher fand hier