Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Rom und Hellas

Neben dem geografischen Begriff Hellas steht ein gleichna-miger ethnografischer Begriff, welcher älter und verbreiteterist. Hellas in diesem Sinn ist die Zusammenfassung der Helle-nen, das heißt die Gesamtheit der Menschen, welche innerhalbund außerhalb Griechenlands leben und durch die griechischeSprache als ihre Muttersprache verbunden, griechischer Sitte,Religion, Kultur, teilhaftig sind und durch gemeinsames Natio-nalitätsbewußtsein geeint sind.

Ein dritter Begriff war in der macedonischen Zeit an dasWort Hellas geknüpft, indem alles Land so genannt wurde, woHellenen wohnten.

Nach der Renaissance endlich ist das Wort Hellas der Aus-druck für den geistigen und künstlerischen Gesamtbestand desgriechischen Kulturbesitzes geworden, welcher uns als die Blütedes Altertums und als das Erbe aller späteren Kulturvölker gilt.

II.

Wenn wir es unternehmen, Hellas und Rom in der Gesamt-heit ihrer äußeren und inneren Kulturbeziehungen zu erfassen,so liegt die Veranlassung hierzu in der Anschauung, welche denBegriff des klassischen Altertums gebildet hat und welche dessenTatbestand in dem Nebeneinander und Miteinander der griechi-schen und der römischen Kultur betrachtet.

Der Zweck unserer Darstellung ist der Überblick über diediesem Komplex entsprechenden historischen Tatsachen und überderen inneres Verhältnis.

Die Begrenzung unserer Betrachtung ist örtlich und zeit-lich dadurch gegeben, daß wir nicht Hellas und Rom überhaupt,sondern Hellas und die Stadt Rom , und letztere nur in ihrer vor-christlichen Zeit, also von 754 v. Chr. bis zur Alleinherrschaftdes Kaisers Konstantin, 323 n. Chr., ins Auge fassen. Gegen-über dieser örtlichen und zeitlichen Begrenzung des Gegenstan-des auf der römischen Seite steht grundsätzlich auf der griechi-schen Seite in örtlicher Hinsicht nicht nur die Kultur Griechen-lands, sondern auch die griechische Kultur in Kleinasien, Ägyp -