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ten, dem griechischen Siedlungsgebiet im westlichen Mittelmeer .Zeitlich kommt eine Entwicklung in Betracht, welche in der Vor-zeit begonnen hat, bereits um 1500 v. Chr. blühte (Kreta, Kö-nig Minos, Mykene), und welche im Jahre 27 v. Chr. als Grie-chenland in die römische Provinz Achaia umgewandelt wurdeeinen gewissen Abschluß fand, aber erst 300 Jahre später völligabgeblüht war.
Hervorzuheben ist, daß nur Beziehungen der römi-schen Kultur zu derjenigen der Griechen von direkter Art zuerörtern sind, nicht aber solche Kulturmomente, welche zunächstzu Bestandteilen einer dritten Kultur (namentlich der etruri-schen) geworden sind und welche dann als Bestandteil jenerdritten Kultur nach Rom gekommen sind. Ebenso wenig erörternwir diejenigen Kulturmomente, welche sich als gemeinsamerUrbesitz der italischen, griechischen und anderer, namentlich allerarischen Völker darstellen.
III.
Es ist nützlich, dieKenntnisnahme und Prüfung der geschicht-lichen Überlieferung hinsichtlich des Einflusses der griechischenKultur auf die römische dadurch vorzubereiten, daß man sichdie allgemeinen geografischen und die Verkehrsverhältnissevergegenwärtigt, wie sie in der Zeit von 754 bis rund 350 v. Chr.in Italien und im Mittelmeer bestanden.
Als Rom gegründet wurde, war die in seiner Umgebung an-gesessene Bevölkerung von jedem direkten Verkehr mit der Ost-und Südküste Italiens , und also mit dem Seeverkehr des adriati-schen Meeres, des tarentinischen Meerbusens sowie der südlichan diesen angrenzenden Meeresteile ausgeschlossen. Die durchdie ganze italische Halbinsel laufenden unwegsamen Gebirgszüge,welche von unzugänglichen und räuberischen Völkern beherrschtwurden, hätten von jedem Versuch eines die Halbinsel quer durch-schneidenden Handelsverkehrs abgeschreckt, wenn zu einem sol-chen Versuch Anlaß Vorgelegen hätte.
Letzteres war nicht der Fall. i
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