Die Bewohner beider italienischer Küsten, der östlichen undder westlichen, konnten kein Verlangen tragen, die Breite derHalbinsel und die Höhe des Gebirges zu durchmessen, um an derjenseitigen Küste und jenseits der dahinter liegenden See zu su-chen, was sie an ihrer eigenen Küste mittelst des dortigen See-verkehrs leicht haben konnten.
Am wenigsten hatte Rom ein solches Bedürfnis.
In erster Linie genügte für Rom seine nördliche Nachbar-schaft jedem Importbedürfnis.
Etruriens von Rom nur 50 Km. entfernter altpelasgischerHafenplatz Pyrgi war nicht nur stark befestigt (seine Cyklopen-mauern sind noch heute zu sehen), sondern ein Handelsplatz er-sten Ranges von beispiellosem Reichtum. Die, wenige Kilometervon Pyrgi entfernte mächtige etruskische Bundesstadt Caere, zuwelcher Rom von seiner Gründung an besondere Beziehungenpflegte, gab in Verbindung mit Pyrgi der Stadt Rom für dieersten Jahrhunderte ihres Bestehens alles, was ihre Bedürfnissein wirtschaftlicher und kultureller Beziehung erheischten.
Aber Rom war nicht ausschließlich auf die etruskische Ver-bindung angewiesen.
Ein zweiter Rom zugänglicher Hafenplatz war das im Jahre1050 v.Chr. von Griechen gegründete Kyme (Cumae ). Diese Sied-lung, von der noch weiterhin die Rede sein wird, war ursprüng-lich auf der fruchtbaren Insel Aenaria (Ischia ) gelegen. Späterwurde die Stadt auf das Festland verlegt, hart am Meere, aufeinen ansehnlichen Hügel. Daß Rom zu diesem See- und Han-delsplatz Beziehungen unterhielt, geht aus der Nachricht hervor,daß, als im Jahre 506 v. Chr. die Römer vor den Mauern vonAricia im Albanergebirge das etruskische Heer (Porsenna) zumRückzuge nötigten, sie dabei den zu rechtzeitiger Hilfe herbeige-eilten Kymaern den Sieg verdankten. Ein anderer Beweis füralte römisch-kymaeische Beziehungen ist die Nachricht, daß dieBlätter der in Kyme weissagenden Priesterin des Apollo, derkymaeischen Sybille, von kampanisch-griechischen Gastfreundenden Römern mitgeteilt und von diesen als hochgehaltene Gabe