Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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2) örtlich den folgenden Umkreis: das eigentliche Griechen-land (Hellas i. e. S.), die Randgebiete des Mittelmeeres (imOsten weiter in das Land hineinreichend, im Westen auf dieKüsten beschränkt) endlich die Siedlungen auf den Inseln desMittelmeeres,

3) persönlich alle Menschen, welche die Römer Graeci, undwelche sich selbst Hellenen nannten.

Alles, was innerhalb dieses Bereiches durch Menschenhand,Menschengeist und menschlichen Kulturtrieb hervorgebracht undentwickelt worden ist, bildet den geschichtlichen Tatbestand dergriechischen Kultur. Wenn wir dessen Inhalt beschreiben wol-len, so müssen wir alles in Betracht ziehen, was in jenem Bereichgeschehen, geschaffen, gewirkt ist sowohl in Ackerbau, Weide-und Forstwirtschaft, in Viehzucht, Handel, als in Straßen- undSchiffsverkehr, Bauwesen, Gesundheits- und Schönheitspflege,Wissenschaft und Kunst, ferner aber die ethischen, religiösen,sozialen Gesamtgüter der Bevölkerung.

Nicht diesen weitgestreckten, vielfach gewechselten und ver-zweigten Tatbestand meinen wir, wenn wir von der griechischenKultur im Sinn des Bildes sprechen, in dessen Rahmen unsereVorstellung die Kulturmomente zusammenfaßt, welche den ei-gentümlichen Wert dieser Kultur bestimmen. Um in diesemSinn griechische (hellenische) Kultur zu bezeichnen, ist zu sagen,daß sie nicht auf dem Gebiete der Wirtschaft, des Verkehrs, derlandwirtschaftlichen und gewerblichen Produktion, der Politikliegen, sondern auf den Gebieten der Kunst, der Wissenschaft, derEthik, des verfeinerten Lebensgenusses und der Lebenskunst,sowie endlich und hauptsächlich in der Pflege nationaler undmenschlicher Gemeinsamkeit, in der Hingabe an nationale undmenschliche Ideale.

Die dem höchsten Gotte gewidmeten Spiele von Olympia ,das Nationalheiligtum von Olympia , die delphische Amphiktyo-nie, die isthmischen Spiele zu Ehren des Poseidon, sind die be-kannteste Verkörperungen dieser Anschauungen.