Die Griechen im Mittelmeer
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Rom ist nicht in der Absicht gegründet, Macht über Landund See zu gewinnen, welche es später tatsächlich gewonnenhat. Nicht Italiens Eroberung und die überseeische Herrschaft,sondern Unabhängigkeit von der Herrschaft der eigenen (latini-schen, albanischen) Volksgenossen, Selbständigkeit der jungenAuswanderer in der neuen nach eigenem Geschmack gewähltenSiedlung, Sicherung derselben durch eigene Kraft gegen Stö-renfriede und Widersacher jeder Art, ein Gemeinverband auseinem Guß, geschützt durch gute Götter, die man eifrig verehrteund die allein man fürchtete, dies war der Sinn der GründungRoms .
Das romulische Pomörium, die fremdenfeindliche Ge-schlechterordnung, der Mauerring und die Volkswehrverfassungdes Servius Tullius , eine an Theokratie grenzende Staatsreli-gion (Romulus-Quirinus, Jupiter), Zurückdrängung jeder Indi-vidualität gegenüber der starren Pflichtforderung des gemeinenWesens (res publica), das sind die Momente, welche dem älte-sten Rom sein Gepräge gaben, und mit welchen sich weder einUnternehmertum über See vertragen hätte, wie es die Phönizierkennzeichnete, noch die Pflege heiterer Lebenskunst, wie sie ge-rade zur Zeit des römischen Königstums die Kultur der Grie-chen erfüllte und die sich mit diesem über das östliche Mittel-meer verbreitete.
Das älteste Rom wollte nichts wissen von fremden Völkernund Menschen ebenso wenig von Verfeinerung der Sittenund Erhöhung des Lebensgenusses durch Einführung künstleri-scher und gewerblicher Erzeugnisse fernwohnender Nationen.
XI.
Die hellenistische Welle der letzten römischen Königszeit mitihren vereinzelten und äußerlichen Entlehnungen aus der grie-chischen Kulturwelt blieb ohne Fortsetzung und Nachhaltigkeit,was Cicero In philhellenischer Überschwenglichkeit (Rep. II,34, II, 21, 37) verkennt, wenn er „nicht ein Bächlein, sonderneinen überwallenden Strom griechischer Wissenschaft und Kunst“nach Rom fließen läßt. Daß die Vertreibung der Tarquinierden Bruch Roms nicht nur mit den Etruskern, sondern auch
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