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dische Danklied zu verfassen, anknüpfend an die Erin-nerung, daß, als im Jahre 514 der Stadt (240 v. Chr.)der erste Punische Krieg beendet war, als erstes römni-sches Schauspiel ein von Andronikos nach einem griechi-schen Original gefertigtes Drama aufgeführt worden war. An-dronikos erlangte als Vertreter der Schauspieler- und Poeten-zunft für diese die Korporationsrechte sowie einen Platz beimGottesdienst im Minervatempel auf dem Aventin.
Andronikos lebte von 275 bis 207 v. Chr. Seine Dichtungenhatten starken und allgemeinen Tageserfolg, galten aber später alsrohe und geschmacklose Machwerke ohne Originalität und Kunst-wert. Seine lateinische Odyssee wurde in den Schulen einge-führt und noch zur Zeit des Horaz obligatorisch gelesen, von denPennälern verwünscht. (Horaz , Epistolae 2, 1. 69) Th. Momm-sen (röm. Geschichte Bd. I S. 883 ff.): „Man glaubt es ohneMühe, was die alten Kunstrichter versicherten, daß abgesehenvon den Zwangslesern in der Schule, niemand die Livischen (desAndronikos) Gedichte zum zweiten Mal in die Hand nahm.“Dennoch wurden des Andronikos Arbeiten in mehrfacher Hin-sicht maßgebend für die Folgezeit. Sie eröffneten die römischeÜbersetzungsliteratur und führten die griechischen Versmaße inLatium ein. Indessen diese Vorstufen der literarischen Entwick-lung wurden bald überholt. Den Späteren galten des An-dronikos Epen und Dramen („Livii Carmina“) mehr als Kurio-sitäten denn als Kunstwerke.
Bald nach Andronikos wurden in Rom die SchriftstellerGnäeus Naevius, Historiker, Epiker und Bühnendichter(264—194), sowie Titus Marcius Plautus , der Lustspieldichter(254—184), tätig, beide äußerlich abhängig von Andronikos, ihmaber künstlerisch, menschlich und allgemein kulturell voraus.
II.
Dem Griechen Andronikos war der vierzig Jahre nach ihmgeborene italische Grieche Quintus Ennius bedeutend überlegen.Er war 239 v. Chr. in der kalabrischen (oskischen) Stadt Rudiaegeboren, wuchs in Tarent in griechischer Schulung heran, traf