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von den 1000 achaischen Bürgern war, die nach der Ent-waffnung des griechischen Landes als Geiseln nach Italien ge-führt und 17 Jahre lang dort festgehalten wurden, daßaber Polybius von Lucius Aemilius Paullus als Ehrengast in Be-schlag genommen wurde, um in seinem Hause zu bleiben, zurPflege geistigen Lebens und zur Ausbildung insbesondere seinerSöhne, daß Polybios der Mittelpunkt des „Scipionischen Krei-ses“ wurde, und daß er in Rom seine Geschichte der Stadt Rom schrieb.
Th. Mommsen (röm. Geschichte Bd. II, S. 424) hat demAemilius Paullus folgendes Gedenkblatt geschrieben:
„Es ist eine wundersame Fügung, daß derselbe Mann, derpolitisch die hellenische Nation definitiv überwand, Lucius Aemi-lius Paullus zugleich zuerst oder als einer der ersten die helle-nische Zivilisation vollständig anerkannte als das, was sie seit-dem unwidersprochen geblieben ist, die Zivilisation der antikenWelt. Er selber zwar war ein Greis bevor es ihm gestattetwurde, die homerischen Lieder im Sinn hinzutreten vor den Zeusdes Pheidias ; aber sein Herz war jung genug, um den vollenSonnenglanz hellenischer Schönheit und die unbezwinglicheSehnsucht nach den goldenen Äpfeln der Hesperiden in seinerSeele heimzubringen. Dichter und Künstler hatten an demfremden Mann einen ernsteren und innigeren Gläubigen gefun-den als irgend einer war von den klugen Leuten des damaligenGriechenland . Er machte kein Epigramm auf Homeros oderPheidias , aber er ließ seine Kinder einführen in die Reiche desGeistes. Ohne die nationale Erziehung zu vernachlässigen, so-weit es eine solche gab, sorgte er wie die Griechen für physischeEntwicklung seiner Knaben, und steigerte den griechischen Un-terricht in der Art, daß nicht mehr bloß die Sprache um desSprechens willen gelernt und geübt, sondern nach griechischerArt der Gesamtstoff allgemeiner höherer Bildung an die Srachegeknüpft und aus ihr entwickelt ward, also vor allem die Kennt-nis der griechischen Literatur mit der zu deren Verständnisnötigen mythologischen und historischen Kunde, sodann Rhetorikund Philosophie. Die Bibliothek des Königs Perseus war das ein-