Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
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Griechen und Griechentum in Rom 449

bemüht, das äußerste Unheil von seinem Vaterlande abzuwen-den. Von dem Vertrauen der Römer getragen entfaltete er inmeisterhafter Diplomatie und vollendeter Menschlichkeit einehöchst segensreiche Vermittlungstätigkeit zwischen den Römernund den Griechen. Nach einigen Reisen im Orient kehrte erwieder nach Rom zurück, von wo er noch Reisen nach Oberitalien ,Gallien, Spanien , Britannien unternahm. Dann arbeitete er inRom in äußerster Anspannung seine Geschichte Roms aus.Schließlich begab er sich nach Griechenland zurück, wo er imJahre 122 v. Chr., 82 Jahre alt, infolge eines Sturzes vomPferde starb.

Die Stellung und Wirksamkeit des Polybios im Verhältnisvon Rom und Hellas wird von Th. Mommsen (röm. GeschichteBd. II S. 449) folgendermaßen bezeichnet:Er schien vomSchicksal gleichsam dazu erzogen, Roms geschichtliche Stellungdeutlicher zu erfassen, als die damaligen Römer selbst er vermoch-ten. Auf dem Platze, wo er stand, ein griechischer Staatsmann undein römischer Gefangener, seiner hellenischen Bildung wegen ge-schätzt und gelegentlich beneidet von Scipio Aemilianus und über-haupt den ersten Männern Roms, sah er die Ströme, die so langegetrennt geflossen waren, zusammenrinnen in dasselbe Bett unddie Geschichte der Mittelmeer Staaten Zusammengehen in dieHegemonie der römischen Macht und der griechischenBildung. So ward Polybios der erste namhafte Hellene,der mit ernster Überzeugung auf die Weltanschauung desScipionischen Kreises einging und die Überlegenheit desHellenismus auf dem geistigen, des Römertums auf dempolitischen Gebiet als Tatsachen anerkannte, über die dieGeschichte in letzter Instanz gesprochen hatte und denen manbeiderseits sich zu unterwerfen berechtigt und verpflichtet war.In diesem Sinne handelte er als praktischer Staatsmann, undschrieb er seine Geschichte. Mochte er in der Jugend dem eh-renwerten, aber unhaltbaren achaischen Lokalpatriotismus ge-huldigt haben, so vertrat er in seinen späteren Jahren, in deutli-cher Einsicht der unvermeidlichen Notwendigkeit, in seinerGemeinde die Politik des engsten Anschlusses an Rom . Es war