Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
451
Einzelbild herunterladen
 

Griechen und Griechentum in Rom

451

men, von gebildeten nach griechischer Kultur dürstenden Rö-mern herbeigeführt, hochgeehrt und bald berühmt, bedeutend wir-kend, die einen in der weiten Öffentlichkeit des städtischen Le-bens, in öffentlichen Unterrichtsveranstaltungen; in Schulen undTheatern, die anderen mehr in der persönlichen Atmosphäre fa-miliär, geistig, ethisch gehobener Kreise, von hier aus aber umsowirksamer in der Politik und in anderen Staats- und Weltangele-genheiten. Die erstere Richtung war die der Andronikus undEnnius , die andere diejenige des Polybios.

Neben den drei an der Spitze genannten Griechen gab es,wie nunmehr hier hervorgehoben werden muß, namentlich seitEnnius, in Rom eine große Zahl ähnlich wirkender Griechen, ver-schieden an Einfluß, Tüchtigkeit und Ansehen, einzelne von denRömern berufen, meistens aber als abenteuernde Einwanderer ge-kommen, angezogen durch die in Mode gekommene Wertschät-zung der griechischen Sprache.

Die Beschäftigung mit griechischer Sprache, griechischemSagen- und Geschichtsstoff, griechischer Literatur, Deklamationund Rhetorik, ja auch mit dem, was man Philosophie nannte, warin stärkste Aufnahme gekommen und durch alle Schichten ver-breitet. Rom konnte seit etwa 146 v. Chr. als ergiebigster Ab-satzmarkt für die Tätigkeit griechischer Schriftgelehrter, Magi-ster, Dichter bezeichnet werden, nicht nur in dem Maße der Be-schäftigung, sondern auch nach dem Grade finanzieller Einträg-lichkeit.

Als eine besonders einträgliche und sichere berufliche Ein-nahmequelle erwies sich in der neuen Zeit die ärztliche Tätigkeit.Im Jahre 219 v. Chr. ließ sich der Peloponnesier Archagathos alserster griechischer Arzt in Rom nieder. Durch seine chirurgi-schen Operationen errang er solches Ansehen, daß ihm das rö-mische Bürgerrecht verliehen und ihm auch sonst staatliche För-derung gewährt wurde. Andere Griechen folgten und fandenPraxis und Ansehen, nicht ohne durch Griechengegner wie denalten Cato mit Mißtrauen feindselig gestört zu werden. Esexistieren andererseits Meldungen, nach welchen es längere Zeitin Rom fast nur griechische Ärzte gegeben habe.