Derartige Erscheinungen waren nicht vereinzelt und häuftensich mit der Zahl und mit der nationalen Mannigfaltigkeit der Ein-wanderer, welche die Stadt Rom überschwemmten.
Namentlich in dem der Zerstörung von Karthago und Ko-rinth (146 v. Chr.) folgenden halben Jahrhundert verändertensich die Bevölkerungsverhältnisse der Stadt Rom völlig.
Straßen und Plätze zeigten das Durcheinanderwogen einerMenschenmenge, innerhalb welcher die Unterscheidung von Kar-thagern und Syriern, Phöniziern und Juden, Aegyptern und Kel-ten, Griechen und Römern umso weniger in Betracht kam jeschärfer die Volkseigentümlichkeiten in jedem Einzelnen ausge-prägt waren und eben darum Abschleifung und gegenseitige Aus-gleichung sowie internationalistische Lebensart zur allgemeinenForderung wurde.
Der Mittelstand war verschwunden, und es waren nur „diegroßen Herrn und die Bettler, beide in gleichem Maße Kosmo-politen“, (Th. Mommsen ) übriggeblieben. Das soziale Bildungs-niveau war das eines internationalen Bildungsjahrmarktes. Hel-lenismus war überall dabei, aber nicht als Wesen, sondern alsModetünche. Cicero versichert, daß schon um 190 v. Chr. dieallgemeine Bildung in den latinischen Städten höher stand als inRom. Mommsen sagt: „Der italische Hellenismus der unterenSchichten war nichts als ein zugleich mit allen Auswüchsen derKultur und mit oberflächlich übertünchter Barbarei behafteterwiderwärtiger Kosmopolitismus. Aber auch für die bessereGesellschaft blieb der feine Sinn des Scipionischen Kreises nichtauf die Dauer maßgebend.“ Ciceros Vater, der GutsbesitzerMarcus Cicero , äußerte, daß der Römer wie der syrische Sklaveumso weniger tauge, je mehr er griechisch verstehe.
Wenn man trotz allem in dieser Zeit nach einzelnen bemer-kenswerten Vertretern griechischer Kultur sucht, so findet mansolche immerhin; nur sind keine eigentlichen Griechen dabei.Man findet sogar manche Römer, welche sich wie Fanatiker desGriechentums verhalten. So der Konsul des Jahres 131 vorChr., der Oberpontifex Publius Crassus, welcher als Statthai-