Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Griechen und Griechentum in Rom

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ter der Provinz Asia seine Entscheidungen in reinem Griechischverkündete, wenn er es nicht beliebte, es in einem der vier grie-chischen Hauptdialekte zu tun. Man findet andererseits gepfleg-ten Internationalismus, wie bei dem Philosophen Karneades ausCyrene in Afrika (gestorben 129 v. Chr.), welcher in Athen alsGründer der sogenannten dritten Akademie zu Ansehen gelangte,der aber auch in Rom durch eifrige Vortragstätigkeit großenEinfluß gewann. Ebenso war es mit seinem Schüler, dem Kartha-ger Kleitomachos , welcher Nachfolger des Karneades auf des-sen athenischem Lehrstuhl wurde, aber zugleich im engsten Ver-kehr mit den gebildetsten Italikern stand, so mit dem Satiren-schreiber Gajus Lucilius (148 bis 103 v. Chr.), sowie mit demKonsul Lucius Censorinus, der die Belagerung Karthagos be-gann, und mit dem Konsularen und Historiker Aulus Albinus.Der zu Antiochia in Syrien im Jahre 120 v. Chr. geborene alsgriechischer Dichter namhaft gewordene Aulus Archias , welchersich X02 v. Chr. in Rom niederließ, gewann römisches Bürger-recht durch den ihm befreundeten, wegen seiner Griechenfreund-lichkeit in Rom angefochtenen Lucullus, nach welchem er späterLicinius Archias hieß. Lucullus ging 93 v. Chr. mit ihm nachSizilien. Cicero war ihm befreundet und verteidigte ihn mit derGerichtsredePro Archia Poeta .

In diesen Fällen, welche man sich als Beispiele zahlreicherähnlicher Einzelfälle zu denken hat, ist nichts enthalten, was alsgriechische Kulturpropaganda oder Kulturmission zu deuten ist.Vielmehr handelt es sich um die natürlichen Folgen des Fort-schrittes der römischen Weltherrschaft, welche, indem sie diegriechischen Sprach- und Kulturgebiete eroberte, die Freizügig-keit auf jene Gebiete ausdehnte. Damit war als besonders wich-tiges Moment das Bedürfnis sprachlichen Verstehens verbun-den. Letzteres aber war nach den gegebenen Verhältnissen wederals Alleinherrschaft des Lateinischen, noch als Alleinherrschaftdes Griechischen möglich, sondern nur als lateinisch-griechischeDoppelsprachigkeit. Diese wurde tatsächlich erreicht durch För-derung beider Sprachen auf Kosten der zahlreichen sonstigen imReich vertretenen Sprachen. Wie das Verhältnis von Griechisch