Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Rom und Hellas

II.

Hellas und Rom , als Subjekte, Schöpfer und Träger eineshellenischen und eines lateinischen Kulturkomplexes vorgestellt,sind nicht Zeitgenossen, sondern sie sind anderthalb Jahrhundertenach einander in die Geschichte eingetreten.

Hellas hat die Homerischen Gesänge um ungefähr 900 v.Chr. hervorgebracht, also 150 Iahre bevor Rom gegründet wurde.Sodann haben Rom und Griechenland viele Jahrhunderte in fastvölliger Unkenntnis von einander bestanden, als wenn sie aufzwei verschiedenen Planeten existierten.

Rom hat 754 bis ca. 300 bestanden, ohne daß es von Hellasirgendwelche nennenswerte Kunde gehabt hat.

Nach endlicher Herstellung äußerer Verkehrsbeziehungzwischen Rom und Griechenland (272 v. Chr.) hat sich Rom um das Kulturleben Griechenlands zunächst nur ganz oberfläch-lich gekümmert.

Noch ein ganzes weiteres Jahrhundert (bis 167) ist ver-flossen, bis in Verbindung mit der Unterwerfung der griechischenHalbinsel durch Rom eine ernsthafte und innerliche römischeBewegung für die griechische Kultur einsetzte.

Der große Unterwerfer Griechenlands, Lucius AemiliusPaullus (f 160 v. Chr.) *) ist es, der zugleich der Urheber jenerKulturwelle war, welche an den Namen des Scipionischen Kreisesgeknüpft und alsrömisch republikanischer Philhellenismus be-kannt ist.

Zu dem Scipionischen Kreise gehörten außer Lucius Aemi-lius Paullus nebst dessen Söhnen: Gajus Laelius (sapiens), philo-sophischer Politiker aus der Schule der Stoa, Dichter, Redner,Heerführer (Konsul 140), Lucius Furius Philus (Konsul 136),Spurius Mummius, Bruder und Legat des Zerstörers von Ko-rinth , stoischer Philosoph, Verfasser poetischer Episteln, der alsphönicischer Sklave aus Karthago nach Rom gekommene, aufeiner griechischen Reise jung gestorbene Komiker P. Terentius

*) Vgl. über ihn oben, Seite 446 ff.