Innere Befruchtung der römischen Kultur usw. 459
ieren. Die in besseren Zeiten oft geträumte und nie erreichte natio-nale Einigung war damit geschaffen und was die Jugend ge-wünscht, das besaß das Alter in kaiserlicher Fülle. Freilich politi-sche Befugnisse erhielt das neuePanhellenion nicht; aber was Kai-sergunst und Kaisergold gewähren konnte, daran war kein Man-gel. Glänzende Volksfeste und Spiele wurden mit demPanhellenionverbunden, deren Ausrichtung dem Collegium der Panhellenen zu-stand und zwar zunächst dem Priester des Hadrian als des stif-tenden lebendigen Gottes. Einer der Acte, welche dieselben all-jährlich begingen, war das dem Zeus Befreier dargebrachteOpfer in Plataeae zum Gedächtnis der hier im Kampf gegen diePerser gefallenen Hellenen am Jahrestag der Schlacht, dem4. Boedromion. Dies zeichnet seine Tendenz. Noch deutlicherzeigt dieselbe sich darin, daß Griechenstädten außerhalb Hellas,welche der nationalen Gemeinschaft würdig erschienen, von derVersammlung in Athen ideale Bürgerbriefe des Hellenismus aus-gestellt wurden.
Aber die Zahl der Hellenen ging reißend zurück, und gleich-zeitig die Rassenqualität.
Schöne Frauen gibt es wohl noch, sagt einer der feinstenBeobachter um das Ende des 1. Jahrhunderts, aber schöne; Män-ner sieht man nicht mehr. Die olympischen Sieger der neuerenZeit erscheinen verglichen mit den älteren niedrig und gemein,zum Teil freilich durch die Schuld der Künstler, aber haupt-sächlich, weil sie eben sind wie sie sind. Die körperliche Aus-bildung der Jugend ist in diesem gelobten Lande der Ephebenund Athleten in einer Ausdehnung gefördert worden, als ob esder Zweck der Gemeindeverfassung sei die Knaben zu Turnernund die Männer zu Boxern zu erziehen; aber wenn keine Provinzso viele Ringkünstler besaß, so stellte auch keine so wenig Solda-ten zur Reichsarmee. Selbst aus dem athenischen Jugendunter-richt, der in älterer Zeit das Speerwerfen, das Bogenschießen,die Geschützbedienung, das Ausmarschieren und das Lagerschla-gen einschloß, verschwindet jetzt dieses Soldatenspiel der Kna-ben. Die griechischen Städte des Reiches werden überhaupt beider Aushebung so gut wie gar nicht berücksichtigt, sei es weil
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